Sich für Klient/innen einsetzen / Sozialdienst

Stichwörter:

  • KlientInnen können ihre Rechte nicht selber einfordern, weil die Machtverhältnisse schwer zu ihren Ungunsten verteilt sind und ihnen der Zugang zu einer Verhandlung gar nicht offen steht.
  • Der Sozialarbeiter setzt sich anwaltschaftlich für die Interessen der KlientInnen ein.

Die Situation findet im Wohnheim für Menschen mit Suchtproblemen statt. Die Institution bietet betreutes Wohnen für BewohnerInnen, die aus medizinischer Sicht nicht mehr therapierbar sind. Die Institution bietet eine Alternative zum Leben auf der Strasse. Der Konsum von Drogen in den Zimmern der BewohnerInnen erlaubt.

Erste Sequenz: Kontaktaufnahme und Informationsgewinnung

Herr X, ein Bewohner der Institution, kommt wütend und fluchend auf den PSA zugestürmt. Er schreit den PSA an, dass ihm seine Sozialhilfe nicht ausbezahlt worden ist. Herr X sagt: Er habe kein Geld mehr, und könne sich nicht einmal mehr etwas zu essen kaufen. Der PSA bitte Herrn X sich zu beruhigen und befragte ihn, ob im der Grund bekannt ist, warum ihm keine Sozialhilfe ausbezahlt worden ist. Herr X antwortet: Er habe keine Ahnung, warum er seine Sozialhilfe nicht erhalten hat. Er hätte ein Recht darauf, die Sozialhilfe zu erhalte. Der PSA frage Herr X, ob er einverstanden ist, wenn er auf dem Sozialamt nachfrage, warum er keine Sozialhilfe erhalten habe. Herr X antwortet, ich könne für ihn nachfragen.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Er ist wütend fühlt sich ungerecht behandelt und hat Angst vor den Konsequenzen. 
  • Emotion Professionelle/r: Überrascht über die Aussage des Klienten. Zeit Verständnis für die Situation ist bereit zur Unterstützung und Klärung der Ursache.
  • Kognition Professionelle/r: Versuchen die Situation zu beruhigen, um nach den genauen Ursachen für dass nicht bezahlen der Sozialhilfe zu suchen. Dem Klienten zu vermitteln, dass er ernst genommen wird, und damit ein Grundlage für ein Zusammenarbeit zu schaffen, die aber auf Freiwilligkeit basiert.

 

Zweite Sequenz: Kontaktaufnahme mit dritter Person

Der PSA telefoniert mit Frau O, der zuständigen Sachbearbeiterin von Herrn X. Ich erkundige mich, warum die Auszahlung der Sozialhilfe für Herrn X nicht erfolgt ist. Ich erhalte von Frau O. die Information: Dass sich Herr X, trotz diverser Aufforderungen, zu keinem vorgeschlagenen Termin bei ihr gemeldet habe. Sie möchte zuerst, dass Herr X bei ihr erscheint. Bevor weitere Auszahlungen an Herrn X erfolgen. 

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Hoffnung auf Hilfe, Misstrauen gegenüber den Fachpersonen. 
  • Emotion Professionelle/r: Überrascht, Neugierig Verständnis für rechtliche Situation.
  • Kognition Professionelle/r: Die Konfliktsituation zwischen KL und Frau O zu deeskalieren, um ein konstruktives Treffen zu ermöglichen.

 

Dritte Sequenz: Rücksprache mit Klient

Der PSA befrage Herrn X, warum er sich auf keinen Terminvorschlag bei Frau O gemeldet habe. Herr X antwortet wütend: Er wüsste überhaupt nichts, dass er sich bei Frau O hätte melden müssen zudem habe Frau O überhaupt kein Recht, seine Sozialhilfe zurück zu halten.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Verärgerung, Unsicherheit, Schwierigkeiten sich zu erklären. 
  • Emotion Professionelle/r: Verständnis, Neugierig über das Verhalten
  • Kognition Professionelle/r: Klärungsversuch für die Ursachen der verpassten Terminvorschläge. Grundlage für eine Lösung der Situation finden.

 

Vierte Sequenz: Deeskalationsversuch

Der PSA versucht Herrn X zu beruhigen, in dem er Herrn X aufzeigte, dass er mit ihm kooperiert und Herrn X unterstützten wolle, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Der PSA verspricht mit Frau O zu sprechen, um die Überweisung der Sozialhilfe zu erreichen. Der PSA wendet sich wieder an Frau O, um zu erfahren warum Herr X sich bei ihr melden sollte. In diesem Augenblick verlässt Herr X fluchend die Institution.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Zunehmende Frustration, Wut, Unzufriedenheit sich erklären zu müssen.
  • Emotion Professionelle/r: Verständnis, Suche nach einem Lösungsversuch. 
  • Kognition Professionelle/r: Deeskalationsversuch mit dem KL. und gleichzeitig eine Problemlösung für den KL. bei Frau O zu finden.

 

 

Fünfte Sequenz: Lösungsversuch mit Drittperson

Der PSA wendete sich wieder dem Telefongespräch mit Frau O zu, und erklärt Frau O die schwierige Situation vor Herrn X durch seine Suchterkrankung, und wie schwierig es für Herrn X ist, Terminvereinbarung einzuhalten. Frau O erwidert, dass ihr die Situation von Herrn X sehr bewusst ist, aber es habe schon seit 18 Monaten kein Treffen mit Herrn X stattgefunden. Sie erwarte, dass Herr X sich mindestens einmal im Jahr bei ihr melde. Der PSA kommt mit Frau O zur Übereinkunft sich nochmals mit Herrn X zu besprechen und sich in den nächsten 2 Wochen mit Herr X bei ihr vorbei zu kommen.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Stress, möglicherweise Entzugsprobleme. 
  • Emotion Professionelle/r: Hoffnung die Situation lösen zu können. 
  • Kognition Professionelle/r: Versuch für mehr Verständnis, auf Grund der Suchtproblematik des KL bei Frau O zu wecken. Feste Zusicherung für eine engen Zeitrahmen für eine Treffen anzugeben. Um die Bereitschaft des PSA für eine engere Zusammenarbeit und Unterstützung bei den Schwierigkeiten von Frau O anzubieten. Auszahlung der Sozialhilfe an den KL zu ermöglichen. Mögliche Selbstüberschätzung, den Vorschlag auch umsetzen zu können

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

Grundlage der Reaktion als Devianz (abweichendes Verhalten) durch Etikettierung der Gesellschaft. Tannenbaum kommt in seiner Theorien zur Überzeugung, dass die Reaktion der Gesellschaft entscheidend für die Entwicklung abweichendes Verhalten ist (vgl: Referat Engelhardt, Dezember 2008: 3). Lemerts Theorie schliesst sich an Tannenbaums Theorie an, Lemerts erweitert seine Theorie des Labeling Approach und unterscheidet in eine primäre und eine sekundäre Devianz (vgl: Noller, 2012:S. 9) 

Erst die sekundäre Devianz führt auf Grund der gesellschaftlichen Reaktion auf das abweichenden Rollenverhalten der Person führt zur Entwicklung des Labeling. Wenn das Verhalten der Person oder Gruppe als für diese typisch angesehen wird, kommt es zu einer Übernahme dieses abweichenden Verhaltens und zur Identifikation mit dieser Rolle in der Gesellschaft. Durch Sanktionen auf das abweichende Verhalten kommt es zu negativen Reaktionen gegenüber den Sanktionen, und die Mitglieder dieser Aussenseitergruppe immer mehr vom Normverhalten ihrer Sozialen Umwelt abweichen. Dies führt zu weiteren Sanktionen, und einer weiteren Abkopplung vom Normverhalten. Sie übernehmen immer mehr die von der Gesellschaft ihnen zugeschriebenen nicht konformen Verhaltensmustern. Sie verinnerlichen dieses abweichende Verhaltensmuster als ihre neuen normierten Verhaltensmuster. Dies hat zur Folge, dass sie ihr neues verinnerlichtes Normverhalten weiter führen, um den von der Gesellschaft an sie gestellten Erwartungen gerecht zu werden (vgl: Noller, 2012:9 -11). 

Diese auf der Grundalge des Labeling Approachs entwickelte Theorie der Verinnerlichung der neue Verhaltensmuster, die von der Gesellschaft an Personen mit Drogenkonsum gebunden sind, ist hilfreich, um das Verhalten des Klienten zu verstehen. Weil die Gründe für das Verhalten (nicht einhalten der Termine) auf seinen Drogenkonsum zurückgeführt werden, kommt es zu einer weiteren Bestätigung des abweichenden Verhaltens durch den Klienten. Das von ihm übernommene normierte Verhalten würde vom PSA wieder bestätigt, und ihn damit in seinem abweichenden Verhalten bestärken.

Es ist darum entscheidend bei der Zusammenarbeit, mit dem Klienten, nicht das Suchtproblem in den Vordergrund zu stellen. Das nicht erhalten der Sozialhilfe durch sein nicht erscheinen auf dem Sozialamt, wäre eine weitere Bestätigung seiner Devianz durch die Bestätigung der Beteiligten auf sein abweichendes Verhalten als Drogensüchtiger. Unzuverlässigkeit, nicht einhalten von Terminen. 

Es ist darum entscheidend bei der Auseinandersetzung mit dem Klienten, im Konflikt nicht, auf die sich durch seine Sucht, zusätzlichen Schwierigkeiten einzugehen sondern nach Hilfsangeboten zu suchen, die nicht offensichtlich im Bezug zu seinem durch die Sucht verursachten verhalten liegen könnten.

 

 

 

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

Nach der Theorie von Hans Thiersch ist die Soziale Arbeit, die Unterstützung der Adressantinnen und Adressanten, durch die Unterstützung ihrer eigenen Ressourcen in ihre Lebenswelt. Alltagsorientierte soziale Arbeit begleitet und unterstützt die AdresssatInnen in ihrer regionalen und sozialen Strukturen. Es benötigt eine niederschwellige, partizipative und kooperativer Zusammenarbeit zur Entwicklung neuen Ansätze zur Lebensbewältigung und gleichzeitig die Schaffung der gesellschaftlichen Vorraussetzungen (vgl: Callo. 2005: S. 44-45). Callo betrachtet die Handlungen der Sozialen Arbeit als ein eingebunden sein „zwischen gesellschaftlichen Strukturen und subjektiven Mustern der Bewältigung „normativen Handelns (Callo, 2005: S.45.) 

Prävention:
Der PSA versucht das unterstützende Angebot der Sozialhilfe zu verbessern, um durch eine Verbesserung der Infrastruktur die Voraussetzung für den Klienten zu schaffen sich zu Stabilisieren und die Entwicklung einer Krise zu verhindern (vgl. Forster, S. 16)

Alltagsorientiert:
Durch die Möglichkeit der Auszahlung der Sozialhilfe versucht der PSA die Hilfsangebote für den Kl zugänglich zu machen. Grundlage ist die Niederschwelligkeit und Alltagsorientiertheit des Angebotes für den Klienten. Der PSA unterstützt den Kl. ihm die Möglichkeit zu bieten die Hilfsangebote nutzen zu können. Um die Zugänglichkeit zum Angeboten der Auszahlung der Sozialhilfe zu ermöglichen, bietet der PSA der Sachbearbeiterin, eine Anpassung der Modalitäten der Auszahlung an. Der PSA versucht das Hilfsangebot der Lebenswelt und damit den Möglichkeiten des KL anzupassen. (vgl. Forster, S. 16-17(

Integration:
Der PSA nimmt der Kl. in seiner Individualität war und behandelt ihn mit Respekt und Offenheit. Gleichzeitig übernimmt der PSA aber auch die Führungsrolle, und zeigt seine Aufgabe und Zuständigkeit in der Institution auf, in dem er die Verhandlungen mit der Sachbearbeiterin des Sozialamtes übernimmt. (vgl. Forster, S. 17(

Partizipation:
Der PSA zeigt Verständnis für die Schwierigkeiten des KL. Durch die Frage nach der Kontaktaufnahme mit dem Sozialamt bietet der PSA dem KL die Möglichkeit sich zum Angebot aktiv einbringen zu können und sich an der Umsetzung des Hilfsangebotes des PSA aktiv zu beteiligen. Der PSA übernimmt dadurch aber gleichzeitig die Aufgabe den Kl. zu vertreten und seine Interessen durch zu setzen, immer aber auf der Grundlage, dass sich die Interessen des Kl. verändern können und er diese zu respektieren hat. (vgl. Forster, S. 17)

Planung und Einmischung
Der PSA sucht nach Möglichkeiten einer besseren Zusammenarbeit zwischen der Institution und dem Sozialamt. Durch eine bessere Koordination zwischen den beiden Einsichtungen für die Auszahlung der Sozialhilfe wäre eine bessere Absprache möglich, die Schwierigkeiten des Kl wären vermeidbar gewesen. Es würde aber bedeuten, dass der PSA mehr Verantwortung bei der Zusammenarbeit mit dem Sozialamt erhalten würde. (vgl. Forster, S. 18)

Reflektion
Der PSA reflektiert sein Angebot in diesem Setting und ob seine Angebot den Möglichkeiten des KL in seiner Lebenswelt angepasst und umsetzbar ist. (vgl. Forster, S. 19)

 

 

5.3      Erfahrungswissen – Woran erinnere ich mich, was kenne ich aus ähnlichen Situationen?

  • Ein positives Zugehen auf die Klienten mit einer Suchterkrankung, in der nicht ihre Sucht und das damit verbundene negative Ansehen in der Gesellschaft in den Vordergrund gestellt wird, sondern auf die Ressourcen und Möglichkeiten des Klienten fokussieren, bietet die Möglichkeit für eine konstruktive Zusammenarbeit. 
  • Die Suchtkrankheit wird von einem grossen Teil der Gesellschaft als selbstverschuldet angesehen. In wirtschaftlich schwierigen Situationen treten ökonomische Frage in den Vordergrund. Es kommt zu Fragen, wie weit die Gesellschaft die Kosten für die Suchtkranken tragen muss, und es werden die bisherigen Ziele und die dafür notwendigen Mitteln in Frage gestellt (vgl: Callo, 2005: 185 -186).
  • Dieses von der Gesellschaft erzeugte Gefühl der Ablehnung, führt zur ablehnenden Grundeinstellung gegenüber allen Normen und Regeln des gesellschaftlichen Zusammenlebens, um kontrollierende Tätigkeiten von staatlichen Einrichtungen und der persönlichen Einschränkung führen dann vermehrt zu Konfliktverhalten und Aggression (vgl: Widulle, 2001: 190).
  • Wenn aber der Klient als eine Person mit allen seinen Fähigkeiten gesehen wird, ergeben sich durch eine individuelle Auseinandersetzung mit den Schwierigkeiten des Klienten und der Berücksichtigung seiner Fähigkeiten, viel mehr Möglichkeiten, die für die Lösung genutzt werden können.
  • Es ist die Aufgabe des PSA: Den Klienten zuerst als Menschen mit einer Erkrankung zu akzeptieren Nicht der Klient als Menschen mit einer Suchterkrankung zu sehen ermöglicht es dem PSA auch in schwierigen Situationen und unkooperativem Verhalten, nicht durch Frustration und Resignation Aufzugeben, sondern den Klienten weiter zu unterstützen, und eine für ihn bedarfgerechte Lösung seiner Situation zu finden

 

 

 

5.4      Organisations- und Kontextwissen – Welche Rahmenbedingungen beeinflussen mein Handeln?

  • Die Institution betreut ca. 20 Klienten und Klientinnen mit schweren Suchterkrankungen und oft mehreren abgebrochenen Entzugsversuchen.
  • Der Glaube als spirituelle Grundlage, ist für die Institution und die Teammitglieder die Ausgangslage für die Hilfe von in Not geratenen Mitmenschen. 
  • Die Klienten und Klientinnen sind frei in ihren Entscheidungen ob sie, in der Institution aufhalten oder nicht. Auch der Konsum von Suchtmitteln ist ihnen gestattet, wenn dieser nur in den Zimmern stattfindet. Die Institution führt in diesem Sinne auch keine Kontrollierende und Überwachende Funktion aus. Sie bietet Hilfe zur Selbsthilfe an. Die Kooperation erfolgt auf freiwilliger Basis. Es gibt Rahmenangebote die von den Klienten und Klientinnen genutzt werden können. Eine Intervention findet nur gemeinsam, mit beiderseitigem Einverständnis statt (vgl: Freud, Stolz, 2011: S. 263). 
  • Es finden immer wieder Treffen mit anderen Institutionen statt, die mit der Betreuung von Suchtkranken im engerem oder weiteren Bereich im Zusammenhang stehen. Dieser Treffen dienen einer Besseren Zusammenhalt der einzelnen Institutionen und dem schaffen von Rahmenbedingungen im Handlungsprozess um die Bedürfnisse des Kl. durch den Sa besser vertreten zu können (vgl: Callo, 2005: 179 -180).
  • Durch die Situation der angespannten Lage des Klienten und dem Umstand, dass sich nur eine Person des Teams im Empfangsbüro befindet, und niemand herbei gerufen werden kann, muss eine Konflikteskalation vermieden werden. Auf der Grundlage des mehrstufigen Models von Friederich Glasl, ist es entscheidend noch in der ersten Phase der Eskalation eine Lösung des Konfliktes zu finden in der noch eine sachliche Auseinandersetzung möglich ist. Die Probleme kann noch Rational gelöst werden und für zu einem positiven Ergebnis für beide Seiten vgl: Hermann, 2006: S.24).
  • Die Problematik von Konflikten, beruhen auf unterschiedlichen Ursachen. Nach der Theorie von Böhnisch und Hamberger (Herrmann, 2006: S. 35) ist die Grundlage für konfliktreiche Verhalten, die Differenz von individuellen Wünschen und Fähigkeiten, und den Realitätsmöglichkeiten durch die Gesellschaft andererseits. Der Kl. und seine Erwertungen an die finanziellen Mittel zur Befriedigung seines Suchtmittelkonsums setzt die Fähigkeit voraus sich regelmässig auf dem Sozialamt zu melden.
  • Auch wenn der Informationsaustausch direkt über das Weiterleiten der Aussagen des sich am Telefon befindenden Gesprächspartnerin auf dem Sozialamt erfolgte, ist diese indirekte Art des Weiterleitens von Gesprächsinhalten auf ein Mindestmass zu reduzieren. Es sind in diesen Situationen die Wahrnehmung der Aussage, und die Kongruenz im Verhalten der Kontaktperson auf dem Sozialamt nicht zu erkennen, wass zu weiteren Fehlinterpretationen führen kann. Der PSA hat in dieser Konstellation zwei unterschiedliche Aufgaben. Einerseits ist der PSA am Konflikt zwischen Klient und Sozialamt nicht direkt beteiligt, durch seine Parteinahme für die Interessen des Klienten wird er ram Konflikt direkt beteiligten Person (vgl: Hermann, 2006: S.155).

 

 

 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Die Situation bedeutet offen und emphatisch auf den Klienten einzugehen ihn in seiner Person war zu nehmen. Das Gespräch zu leiten und zu führen, aus die Bedürfnisse des Gesprächspartners eingehen, und durch eine gezielte Fragetechniken zu den relevanten Informationen zu kommen(vgl: Widulle, 2011: S.93). Widulle verweist hier auch auf die Anwendung von offenen W-Fragen durch die der Gesprächsfluss nicht unterbrochen wird um die notwendigen Informationen zu erhalte (ebd: S.96).
  • Besonders bei Suchtkranken ist die Einsicht und die Bereitschaft zur Veränderung off gar nicht, oder nur begrenzt vorhanden. Widulle geht in diesem Fall, einer geringen Änderungsmotivation, von einer lösungsorientierten Gesprächsführung aus. Der PSA nimmt die Motive des Kl. für eine Lösung seiner Situation des fehlenden Geldes auf, und übernimmt diese um den Kl. zu einem weiterführen des Gesprächs zu motivieren (vgl: ebd: S.115). 
  • Auch in angespannten und schwierigen bis bedrohlichen Situationen, professionell, durch eine Beurteilung der Situation, das Konfliktpotenzial richtig einschätzen zu können und Verhältnisangepasst darauf zu reagieren. Eine Arbeitsbeziehung zwischen PSA und Kl herzustellen um das gewünschte Ziel erreichen zu können. Der PSA besitzt die entsprechenden Ressourcen um dem Kl. zu Helfen, daraus ergibt sich die Unausgewogenheit der Hilfe in der sozialen Arbeit. Franz Stimmer vertritt die Meinung, je verständnisorientierter soziale Hilfe ist, um so erfolgreicher ist sie (vgl: Freud, Stotz, 2011: S.86 -87). Durch das Eingehen des PSA und sein Verständnis für die Bedürfnisse des Kl., um so einfacher konnte eine Lösung gefunden werden.

 

5.6      Organisationale, infrastrukturelle, zeitliche, materielle Voraussetzungen – Womit kann ich handeln?

  • Die organisatorischen Strukturen sind sehr flach gehalten. Keine langen Dienstwege für die Umsetzung von Veränderungen auf den verschiedenen Ebenen. Gleichzeitig ergeben sich aus dem Umstand, dass es sich um eine diakonische Einrichtung handelt, eine Verknüpfung zwischen dem Auftrag der professionellen Betreuung und dem religiösen Anspruch auf ein von Gott bestimmtes Leben.
  • Die Infrastruktur der Institution hatte keine Büroräumlichkeiten für den PSA, um sich mit dem Klienten zurück zu ziehen. Die Gespräche fanden darum oft im Empfangsbüro der Institution statt.
  • Es waren zeitweise nicht die Ressourcen vorhanden, sich in einer akuten Situation mit den Klienten und Klientinnen zu besprechen, weil auch der Personalschlüssel dies nicht immer ermöglichte (alleinige Tätigkeit im Empfangsbüro). Gleichzeitig war es durch die Schwierigkeit des Drogenkonsums und die damit verbundene Einschränkungen der Kommunikation oft nicht möglich mit den Klienten und Klientinnen in Kontakt zu treten.
  • Die Anerkennung, als eine offizielle Institution bedeutete die Unterstützung durch öffentliche Gelder, gleichzeitig fehlten aber die Kontrollen zur Beurteilung der erbrachten Leistungen in der Institution.
 
 

 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • Dem Klient wird seitens des PSA Verständnis endgegengebracht, er wird in seiner Situation erst genommen, Möglichkeiten der Unterstützung werden aufgezeigt. Gleichzeitig sind aber auch die Dienstleistung und die Angebote des PSA auf dem Hintergrund der rechtlichen Grundlagen begrenzt (vgl: Feund, Stotz, 2011: S.73). 
  • Die Aufgabe der Sozialen Arbeit ist die Unterstützung und Hilfe zur freie Entscheidung und das Fördern eines selbstbestimmten Lebens des Klienten (vgl: Callo, 2005: S.5).
  • Die Schwierigkeit der Entscheidung zwischen der Selbstbestimmung des Menschens und der Gefahr der Gefährdung anderer, oder der Selbstgefährdung wird in den Überlegungen zur Unterstützung des Kl. Durch den Berufskodex mitbedacht. (vgl: avenirsocial: Artikel 8 Absatz 5).
  • Ein ressourcenorentiertes Menschenbild: Von Klienten wird erwartet das er sich in der Situation selbständig entscheiden kann, ob er die Hilfe annehmen will. Es wird aber auch erwartet, dass er sich auch an der Lösung des Problems beteiligt. Der PSA erwartet vom KL., dass er sich an der Problemlösung beteiligt und sich in gewissen Abständen auf dem Sozialamt meldet. Er nicht ganz ohne Eigenbeteiligung seine Sozialhilfe erhält
  • Ein Arbeitsbündnis kann durch eine Vertrauensbasis hergestellt werden. Der Klient ist bereit seine Interessen vom PSA vertreten zu lassen. 
  • Der PSA zeigt Verständnis für die Schwierigkeiten des Klienten.
  • Anwaltschaftliche Vertretung dient der Interessensvertretung des Klienten und trägt zu Lösungen der Situation bei. 
  • Die Selbstbestimmung des Klienten und seine Zielvorstellungen und seine Bedürfnisse entscheiden über das Vorgehen und die Unterstützung des PSA.

Durch einen intensiveren Versuch eine Konfliktdeeskalation wäre eine ruhigere Kooperation mit den Klienten möglich gewesen. Es hätte die Möglichkeit eröffnet mehr Informationen zur aktuellen Situation des Klienten zu erhalten und damit auch ein differenzierteres Bild und durch eine genaue Analyse weniger schnell zu interpretieren.

Die Emotionalität des Klienten beeinflusst das Verhalten des PSA in der Situation. Der PSA hat zu wenig Rollendistanz gezeigt und hat zu schnell interveniert. Die Parteinahme hatte Möglicherweise zu einer Verzerrung der Wahrnehmung des PSA geführt, und die aktuelle Situation des fehlenden Geldes war nur vorgetäuscht (vgl: Herrmann, 2006: 169 -172). 

Eine Handlungsalternative wäre den Kl. durch die Situation des fehlenden Suchtmittels mehr mit seiner schwierigen Situation zu konfrontieren und nach Alternativen in der aktuellen Lebenswelt mit dem Klienten zu suchen. Durch das Aufzeigen von Hilfsangeboten beim Kl. Veränderungsmöglichkeiten anbieten, und den Entzug durch Unterstützung zu vereinfachen, wenn der Kl. freiwillig dazu bereit ist.

  • Callo, Christina (Hg.) (2005). Handlungstheorie in der Sozialen Arbeit.Oldenburg 
  • Hermann, Franz (2006) Konfliktarbeit Theorie und Methodik sozialer Arbeit in Konflikten. VS Verlag Sozialwissenschaften / GWV Fachverlage GmbH, Wiesbaden. 
  • Hochuli Freud, Ursula, Stotz Walter (2011). Kooperative Prozessgestaltung in der Sozialen Arbeit. W. Kohlhammer Verlag GmbH Stuttgart 
  • http://www.grin.com/de/e-book/195132/eine-ursachenforschung-nach-der-entstehung-von-devianz-anhand-des-labeling
  • Susanne Forster, 2007, Das lebensweltorientierte Konzept nach Hans Thiersch, München, GRIN Verlag GmbH, http://alpha.grin.com/de/e-book/111048/das-lebensweltorientierte-konzept-nach-hans-thiersch

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