Motivierende Gesprächsführung / Heim für weibliche Jugendliche (Mädchenhaus)

Stichwörter:

  • Die junge Frau ist in der Institution gut bekannt
  • Es besteht eine  vertrauensvolle Beziehung zwischen der Sozialpädagogin und der jungen Frau
  • Auf Grund des Auftrags und des Konzepts der Institution ist die Zukunft jeder Klientin immer auch ein aktuelles Thema
  • das Engagement der Beteiligten zur Klärung der Situation ist unterschiedlich
  • Es wurden Vorbereitungen getroffen (Raum, Zeit, Methodik)
  • Das Ziel der Intervention ist die Klientin zu Veränderungen zu motivieren und ihr Bewusstsein zu schärfen
  • Die Intervention bettet sich in das Gesamtkonzept der Institution ein

Lotta ist eine 15-jährige Jugendliche, welche zusammen mit ihrer Schwester gegen ihren Willen vom Jugendgericht ins Mädchenhaus eingewiesen wurde.  Die Gründe waren vielschichtig. Die Mutter hat die Kinder und den Vater vor Jahren verlassen und ist verschwunden. Der Vater ist den Kindern wohlgesinnt, tut alles um die Liebe der Töchter zu behalten, doch kann er sie nicht konsequent erziehen, und arbeitet die ganze Woche über.  Vernachlässigung und das Verlassen der Familie durch die Mutter, Gewalt (Wutausbrüche des Vaters), Mangel an Struktur und Halt, keine schulische Unterstützung, das Fehlen von positiven Modellen, dies alles hat aus Sicht der Sozialpädagogin aus Lotta eine Jugendliche gemacht, welche sich verloren fühlt und sehr wenig Selbstwertgefühl hat.  Sie zeigt kaum Interesse an irgendetwas, der Institution sind keine Freunde bekannt, ausser auf Facebook, Snapchat und Co. Sie verbringt die Zeit im Mädchenhaus, am Handy. Sie wirkt auf das Team träge und mutlos.  Sie ist extrem vergesslich und hat spontane Wutausbrüche, die ihr jedoch sehr zu schaffen machen.  Für die Schule zeigt sie keine Motivation und ist leistungsmässig extrem schwach (siehe Zeugnis).  Jeden Tag vergisst sie Material für die Hausaufgaben mitzubringen, und auch sonstige Aufträge kann sie nicht erfüllen.  Sie entschuldigt sich immer mit „ich habe es vergessen“ und ist stets höflich und dankbar für jede Aufmerksamkeit.  Das Erzieherteam hat mehrere Methoden ausprobiert um ihrer Vergesslichkeit entgegenzuwirken, ohne Erfolg.   Lotta beharrt auf ihrem einzigen Wunsch nach Hause zu ihrem Vater zu wollen, zusammen mit ihrer Schwester. Sie scheint die Gründe – ihre eigene Familiensituation und die damit verbundene Heimeinweisung – nicht einsehen zu können.  Durch diese “abwehrende” Haltung scheitern Versuche des Teams , ihr mehr Selbstwertgefühl und eine positivere Lebenseinstellung zu geben.  Auch stellt das Team keinerlei persönliche Entwicklung des Mädchens fest. 

 

Die PSA hat ein Gespräch geplant nach einem Modell von Andrew Turnell und Steve Edwards „Signs of Safety“ (Einschätzung von Kindeswohlgefährdung), mit dem Ziel, Lotta etwas besser zu verstehen und um sie zu einem konkreten Engagement sich selbst gegenüber zu gewinnen.  In diesem Modell geht es unter anderem um das Erfragen und Verstehen von 3 Ebenen  („Häuser“) (siehe auch unter Interventionswissen)

 

  1. „was sind die guten Dinge in meinem Leben?“ (mir bewusst werden was gut ist, was funktioniert, was ich behalten möchte, wer mich unterstützt, welche Ressourcen ich habe …);
  2. „was sind meine Sorgen aktuell?“ (welche Probleme möchte ich lösen, wo brauche ich Hilfe von anderen, worüber habe ich Einfluss und worüber nicht, was könnte ich selbst klären

     …);

  3. „was sind meine Wünsche?“ (wohin möchte ich, gibt es Ziele, sind diese realistisch und gibt es Möglichkeiten die ich umsetzen kann, wer könnte helfen, zeitlich Strukturierung bis zum Ziel usw.)

Erste Sequenz

Lotta und PSA setzen sich zusammen an einen Tisch auf Aufforderung der PSA hin, mit Lotta an ihrer Situation arbeiten zu wollen.  Lotta kennt diese Art von Arbeit und nimmt das Angebot kommentarlos an.  Die PSA hat 3 DIN A 4 Blätter auf dem Tisch ausgebreitet mit jeweils 3 aufgemalten Häusern zur Methode der „signs of safety“.  Sie erklärt den Vorgang und dass es sich bei dem Werkzeug darum handelt, Lottas Sorgen und Wünsche besser zu verstehen.  Die PSA betont dass sie sehr wohl weiss, dass es Lotta’s Wunsch ist zum Vater nach Hause zurückzukehren, doch mit Hilfe der Übung könnte sie besser die Beweggründe verstehen, da Lotta auch die Gründe der Einweisung durch das Jugendgericht kennt, welche im Widerspruch zu ihrem Wunsch nach Hause zu gehen, stehen.  Die PSA schlägt vor, mit dem Haus der „guten Dinge“ in Lottas Leben anzufangen. …

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Ich lasse das jetzt über mich ergehen (franz.: subir).
  • Emotion Professionelle/r: etwas angespannt gegenüber Lottas Unmut, unsicher ob die Übung etwas bringt, angestrengt um die Übung positiv anzugehen.…
  • Kognition Professionelle/r: „ich muss da jetzt durch“.  Ich habe mir meinerseits Mühe gemacht um die Übung gut genug vorzubereiten, wenn sie jetzt nichts bringt, liegt es nicht an der Vorbereitung.  Wenn Lotta nicht mitarbeitet, kann ich keinen zufriedenstellenden Bericht schreiben.  Ich muss positiv bleiben um mögliche Chancen zu nutzen und werde Lotta immer wieder ermutigen für jeden kleinen Beitrag von ihr.  Gut dass sie ihre Unlust nur passiv mitteilt, wenigstens bleibt sie höflich und scheint mir gut gesinnt zu sein.

 

Zweite Sequenz

Lotta beugt sich übers Blatt und notiert 2 Begriffe: „meine Familie“ und „meine Freunde“.  Die PSA bedankt sich und wiederholt, dass sich die Familie und Freunde in den Augen von Lotta wichtige Ressourcen für sie sind.  Sie fragt woran Lotta dieses festmacht.  Lotta wiederholt, dass diese beiden wichtig sind.  Die PSA versucht Lotta anzuregen genauer zu überlegen, worin diese Wichtigkeit zu erkennen ist.  Lotta erklärt vage, dass „sie immer für sie da sind“.    PSA bejaht und fügt hinzu, dass die Familie immer existiert, auch wenn man nicht zusammenwohnt, was sich ja daraus ergibt, wenn man älter und unabhängiger wird.  Die PSA ermutigt Lotta an andere positive Elemente in ihrem Leben zu denken.  Lotta verneint, meint, dass es in ihrem Leben nur dieses an Positivem gibt.  Die PSA versucht mit Vorschlägen Lotta zu suggerieren, dass es noch anderes gibt, was man sich oft nicht bewusst ist, um Lotta eine Öffnung zu ermöglichen und weniger negativ über ihr Leben zu denken.  Sie fragt Lotta ob diese sich in guter Gesundheit befindet.  Lotta bejaht.  Die PSA betont, dass es sich hierbei sehr wohl auch um eine gute Begebenheit handelt, da es Menschen gibt, die dies nicht bejahen könnten.  Die PSA weiss, dass es in der Übung darum geht, so wenig wie möglich die Aussagen zu beeinflussen, doch möchte sie Lotta einige Beispiele erläutern, da diese keine Vorschläge bringt.  Sie erklärt, dass das Leben in Luxemburg z.B. ohne Krieg oder Hungersnot ist, und dass auch die Befriedigung von Basisbedürfnisse etwas Wichtiges sind, auch wenn man dies im Alltag nicht immer wahrhaben kann, weil man daran gewohnt ist.  Lotta gibt der PSA recht.  Die PSA möchte nicht weiter mit Beispielen benennen und akzeptiert, dass Lotta keine weiteren „gute Dinge“ in ihrem Leben benennen kann.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: wenig Lust was preiszugeben.
  • Emotion Professionelle/r: leicht gereizt, beruhigt sich innerlich, bemüht sich weiterhin Ruhe und Geduld auszustrahlen.
  • Kognition Professionelle/r: Okay, Lotta macht klar dass sie nicht bereit ist sich anzustrengen, mehr als Familie und Freunde zählen nicht in ihrem Leben.  Wahrscheinlich ist das auch so.  Sie kennt auch nicht viel vom Leben um sie herum und diese Beschränktheit soll mich eigentlich nicht ärgern, sondern Anstoss geben, Lotta in ihrer Welt wahrzunehmen.  Die Einschränkung bietet ihr wahrscheinlich die Sicherheit in der sie sich bewegen kann, ohne Angst.  Wenn ich mich nicht beirren lasse von ihrer Resistenz, habe ich vielleicht eine Chance sie etwas zu öffnen, da sie sich trotzdem angenommen spürt.  Schliesslich scheint sie mich persönlich nicht zu meinen, sondern drückt nur immer wieder aus dass SIE nur nach Hause möchte und alles andere unwichtig für sie ist.  Ich mache einfach weiter.

 

Dritte Sequenz

Doch versucht die PSA aus einer Aussage von Lotta zum Abschluss doch etwas Hoffnungsvolles an sie weiterzugeben. Die PSA legt Lotta das Blatt mit „meine Sorgen“ hin und ermutigt sie, alles Mögliche an Sorgen die ihr aktuell im Kopf sitzen, aufzuschreiben.  Lotta schreibt, dass sie Angst hat alle zu verlieren, besonders ihre Familie.  Die PSA fragt nach wie sie das genau meint.  Lotta erklärt, dass sie alleine bleiben könnte wenn alle um sie herum verschwinden würden.  Die PSA fragt anschliessend welche Situation in der Realität so etwas bewirken könnte.  Lotta denkt nach und sagt dann, dass sich dieses vielleicht durch eine Unglück (Accident) ereignen könnte.  Die PSA möchte die Angst etwas eindämmen und kommt auf die Unwahrscheinlichkeit zu sprechen, dass alle Menschen um sie herum in einem Unglück verschwinden würden.  Lotta bleibt passiv, sie wiederholt dass sie diese Angst in sich trägt, kann aber kein erdenkliches Szenario nennen.  Die PSA lenkt auf den Alltag zurück und fragt ob es im Moment Dinge in Lottas Alltag gibt, welche sie als problematisch empfindet und worauf sie auf eine Lösung hofft.  Lotta streitet sofort ab, es gäbe nichts im Alltag was ihr Sorgen macht.  Die PSA lobt Lotta für ihre positive Sicht und lenkt ein, dass sie sehr wohl viele Möglichkeiten in sich trägt, um kleine Sorgen im Alltag zu bewältigen.  Lotta reagiert nicht darauf, sodass die PSA ihr Beispiele nennt im Alltag, bei denen Lotta Eifer gezeigt und Lösungen gefunden hat : sie hat sich z.B. selbst über ihren übermässigen Handy-Konsum beschwert, dann Eingrenzungen vom Erzieherteam als Hilfe angenommen, und schlussendlich erfreut erfahren, dass sie dadurch andere interessante Erlebnisse wahrhaben kann, welche sie zuvor verpasst hat.  Lotta hört zu und bejaht.  Die PSA resümiert, dass viel Gutes im Leben auf einen zukommt wenn man es erfragt, erhofft, und auch selbst etwas dafür tut.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: ist betroffen, drückt Angst aus (Familie, Freunde).
  • Emotion Professionelle/r: angestrengt, aber weniger angespannt; etwas hoffnungsvoller und bereit durchzuhalten.
  • Kognition Professionelle/r: Lotta gibt eine konkrete Angst preis, sie öffnet sich.  Das habe ich so genau nicht gewusst.  Ihre Angst scheint diffus zu sein, denn die Vorstellung alle auf einmal zu verlieren scheint kaum realistisch,  dennoch beängstigend.  Ich sage ihr das, damit sie ihre Angst eindämmen kann und vielleicht auch als übertrieben wahrhaben kann.  Aber Lotta bleibt dabei.  Vielleicht mag sie nicht beruhigt werden, vielleicht ist ihre Angst tatsächlich so gross dass sie nicht mit einem Satz beruhigt werden kann.  Ich will später zu einer anderen Gelegenheit noch einmal auf diese Angst zurückkommen.  Ich versuche noch andere Sorgen im Alltag anzusprechen.  Lotta möchte mir gegenüber betonen, dass alle anderen Sorgen kaum ins Gewicht fallen gegenüber ihrer ersten grossen Sorge.  Das muss ich so annehmen.  Aber trotzdem möchte ich sie darauf hinweisen, 1. dass ich wohl weiss, dass sie doch noch andere Probleme hat, 2. dass sie selbst über eine Wirksamkeit verfügt und auf manche Probleme bereits selbst Antworten gefunden hat, was ich selbst bei ihr erlebt habe.  So kann ich sie positiv verstärken und hoffe auf weitere Öffnung ihrerseits.  Auch möchte ich ihr zeigen, dass ich mich nicht beirren lasse von ihrer negativen Passivität.

 

Vierte Sequenz

Als nächstes kommt das Blatt mit „meine Wünsche“ an die Reihe.  Die PSA erklärt Lotta dass es sich hier darum handelt, was Lotta von ihrer Zukunft erhofft, erwünscht, welche Vision sie von ihrer Zukunft hat, z.B. in 10 Jahren usw.  Es ginge auch darum anhand der Ressourcen (gute Dinge) mögliche Lösungen für „Sorgen“ zu finden und diese Lösungen in der Zukunft konkret zu gestalten.  Lotta erzählt von zwei Träumen: sie möchte a) Fussballspielerin werden und b) so schnell wie möglich nach Hause zurückgehen.  Die PSA fragt Lotta was sie selbst dafür tut um ihrem Traum näher zu kommen.  Lotta antwortet, dass sie jeden Tag mit ihrem Ball in ihrem Zimmer trainiert.  Sie habe auch vor, einer Fussballmannschaft beizutreten sobald sie wieder zu Hause ist.  Die PSA erinnert sie daran, dass sie damit nicht warten muss bis sie zu Hause ist, zumal diese Entscheidung (ob und wann sie nach Hause darf) noch nicht getroffen ist.  Sie habe ja einen Versuch gemacht, einer Fussballmannschaft beizutreten, welcher gescheitert sei, doch müsste sie deswegen nicht aufgeben.  Lotta reagiert hierauf nicht.                                        Zum 2. Traum fragt die PSA welche Möglichkeiten in ihrer Macht stehen, um das Jugendgericht zu überzeugen, dass das Leben mit dem Vater und ihrer Schwester zu Hause eine gelingende Zukunftsoption sein könnte.  Lotta sagt, sie würde immer ihr Bestes geben, sie würde nicht aufgeben und dass sie alles tut was in ihrer Macht steht. 

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: wird sofort aktiv um ihre beiden klar formulierten Wünsche zu äussern.  Ihre Körperhaltung bleibt jedoch die gleiche :  ruhig, passiv.  Ihre Antworten sind prompt und kurz.  Lotta scheint etwas ungeduldig noch einmal über ihre Wünsche zu reden.
  • Emotion Professionelle/r: ruhig, hat sich abgefunden mit Lottas Haltung, möchte die Übung so durchziehen wie geplant, ist zuversichtlicher.  Es fühlt sich jetzt gut an, sich nicht von ihrer negativen Haltung anstecken zu lassen.  Etwas „kribbelig“ beim Fussballthema (Erinnerungen an die frühere Situation). Zum Schluss fühlt sie sich jedoch etwas machtlos durch die letzte Aussage von Lotta.
  • Kognition Professionelle/r: ich denke dass die Resistenz und die Haltung Lottas für einen Bericht interessant ist und zum Verständnis der Jugendlichen beiträgt.  Ich wehre mich nicht dagegen, es ist ein wichtiger Bestandteil der Übung.
  • Sie scheint ungeduldiger zu sein und möchte vielleicht den Rhythmus der Übung beeinflussen mit schnellen Antworten.  Vielleicht hat sie diese Aussage bereits vorher gemacht.  Auch hier wiederum scheint es kaum möglich auf weitere Wünsche einzugehen, denn Lotta muss den Fokus auf den Wunsch zur Familienrückführung betonen.  Habe ich das nicht ernst genug genommen?

    Fussball: ich glaube nicht dass Lotta es je schaffen wird sich aufzuraffen für ein konsequentes Training.  Ausserdem ist ein Versuch, mit ihrer Schwester und einer Freundin in einem Club zu spielen, fehlgeschlagen ohne klare Gründe.  Ihr fehlt das nötige Durchhaltevermögen um ihr Ziel im Auge zu behalten und mögliche Unbequemlichkeiten in Kauf zu nehmen.   Sie hat es nicht gelernt und ihre Ängste zwingen sie zum Abbrechen um so ihren Schmerz zu vermindern.  Ich möchte ihr dies nicht „unter die Nase reiben“ aber sie darauf hinweisen, auch dass sie sich nicht entmutigen lassen soll und auch nicht warten muss um einen zweiten Versuch zu wagen.  Ich hoffe so zu vermitteln, dass ich an ihre nächste Chancen glaube (auch wenn ich selbst daran zweifele).

    Jugendgericht: ich erhoffe mir, dass sie mit konkreten Beispielen kommt, welche das Erzieherteam ihr immer wieder ans Herz gelegt hat (Schule, Pünktlichkeit, Hausaufgaben, Ordnung usw.).  Lotta möchte sich dem jedoch entziehen.  Sie strengt sich an in ihren Augen, doch glaubt sie nicht an eine Wirksamkeit.  Ich muss aufpassen, nicht in einen Machtkampf zu geraten. Es scheint nichts in ihrer Macht zu stehen.  Es kann aber auch sein, dass sie es vermeiden möchte, sich selbst als Hindernis ihres Wunsches zu sehen.  Es fällt ihr leichter, andere als Verantwortliche ihrer Situation zu sehen als sich selbst verantwortlich für ein Weiterkommen zu verpflichten. Es liegt in der Familienkultur und wie könnte Lotta diesem Glauben entkommen?  Ich möchte ihr nicht widersprechen, denn es würde ihr Gefühl vom Versagen verschärfen und tut dieser Übung nichts Positives hinzu.  Also entschliesse ich mich dafür, ihre Sichtweise anzuerkennen.  Wenn sie ihre Macht als sehr klein einschätzt, sieht sie kaum Möglichkeiten etwas für sich zu bewegen.

    Da ich mich jetzt ebenfalls etwas machtlos fühle die Übung so durchzuführen wie vorher (die von mir negativ empfundene Haltung von Lotta ignorieren und positive Inputs geben) und nicht weiter auf indirekte Abwehr stossen möchte oder hervorrufen möchte, beschliesse ich spontan ausserhalb der Übung mit Lotta weiter zu reden.  Ich riskiere das nach meinem Bauchgefühl.

 

 

Fünfte Sequenz

Die PSA spürt eindeutig, dass sie nicht umhin kommt, Klartext mit Lotta zu reden, damit sie ebenfalls offener reden kann, ausserhalb der Übung.  Sie klärt Lotta darüber auf was das Team als Lösungsplan dem Jugendgericht vorschlagen werde.  (Diese Information wurde Lotta schon weitergegeben, jedoch hatte sie nicht gut darauf reagiert. Sie nutzt die Gelegenheit, noch einmal den Grund und Sinn des Vorschlags zu erläutern).   Die PSA erklärt Lotta, dass das Team gemerkt habe, dass sie sich mit dem Plan „Internat“ abgefunden habe und ermutige sie dazu, dies als eine Etappe zu ihrem Wunsch anzusehen.  Manche Dinge würden sich nicht auf Wunsch wie mit einem Zauberstab verändern, aber mit der Zeit und mit Einbeziehen der verschiedenen Wirklichkeiten die damit zu tun haben.  Lotta fällt wieder leicht in ihre Abwehrhaltung zurück um zu betonen dass es sich nur um einen Schritt handelt, das Ziel sei noch nicht erreicht.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: erwartungslos
  • Emotion Professionelle/r: etwas angespannt bei der Idee mit dem Internat, etwas ängstlich, Lotta könnte sich total verschliessen und das Thema abwehren.
  • Kognition Professionelle/r: Sie scheint die Idee mit dem Internat als Zwischenlösung anzunehmen obwohl sie lieber schon am Ziel angekommen wäre.  Ich gehe nicht darauf ein, sondern bin erfreut dass sie nicht in Opposition geht. Ich muss Lotta von ihrer Resistenz abbringen, denn sonst wird es zum Machtspiel.

 

Sechste Sequenz

(Die PSA weiss dass Lotta bereits vorher ein Jahr im Internat gelebt hat und negativ dazu eingestellt ist wegen der vielen Einschränkungen ihrer Freiheitsbedürfnissen).  Sie fragt Lotta wie sie sich diesen neuen Aufenthalt im Internat vorstellen würde.  Lotta richtet sich auf und kommt der PSA entgegen mit klaren Aussagen die sie selbst zu ermutigen zu scheinen für einen Augenblick.  Sie hat gehört dass das Internat sich etwas verändert habe, da die Schüler einerseits ihr Handy über Nacht bei sich haben dürfen und dass neuerdings auch Jungs im Internat sind.  Die PSA greift diese ausführliche Antwort auf und verstärkt die positive Aussicht aufs Internat.  Sie findet diese Entwicklung ebenfalls positiv und freut sich über die eigene Ermutigung der Jugendlichen. 

Anhand dieser Selbst-Ermutigung erklärt die PSA Lotta: es gibt 2 Arten von Einstellungen gegenüber Problemen und der Mensch kann entscheiden über die Einstellung die er haben möchte.  Die PSA erklärt die Sicht auf das halbvolle oder halbleere Wasserglas.  Lotta scheint interessiert.  Die PSA erklärt die Auswirkungen auf das Gemüt, die Gedanken usw. wenn man bei einem Problem nur die negativen Vorstellungen ausmalt und fühlt und wie man folglich auch nur die negativen Aspekte wahrnimmt.  Andersrum kann man bei einem Problem auch auf die Lösungen fokussieren, sich ein positives Resultat vorstellen und Vorfreude haben und somit die ganze Zeit mit angenehmen Gedanken und Gefühlen leben.  Auch gibt die PSA ein 2. visuelles Beispiel, da Lotta Schwierigkeiten mit abstraktem Denken hat: ein Problem kann man als Stein auf dem Weg betrachten.  Man kann darüber stolpern, sich darüber ärgern, ihn wegschiessen (Schuhe abreiben) usw. oder ihn betrachten, daran vorbei gehen, ignorieren, ihn mitnehmen oder zur Seite legen usw.  Lotta gefällt diese Metapher und sie erzählt von einer Situation welche sie gemeistert hat (Wutausbruch gemildert). 

Die PSA zeigt sich erfreut über Lottas Beitrag (Bericht über Wutausbruch).  Sie betont dass Lotta sicherlich kein Mensch ist der sich entmutigen lässt falls etwas nicht nach Wunsch geht, denn sie habe viele Möglichkeiten damit klar zu kommen.  Schlussendlich fragt sie Lotta, was diese bei ihrem unfreiwilligen Aufenthalt im Mädchenhaus denn trotzdem als gute Erfahrung mitnehmen könnte.  Lotta nennt daraufhin 3 Dinge: 1. die positive Beziehung zum Erzieherinnenteam, 2. die allgemein positive Beziehung zu den anderen Mädchen, 3. alles was sie „hier“ erlebt hat.  Beim genauen Nachfragen kann Lotta das „alles“ nicht näher beschreiben.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: Sie wird aufmerksam als die PSA die Metapher mit dem halbvollen Glas erklärt.  Sie wird aktiv und lebendig als sie ihr eigenes Beispiel erzählt bei dem sie ihren Wutausbruch gemeistert hat.  Sie wirkt zufrieden.
  • Emotion Professionelle/r: erleichtert, dass Lotta selbst positive Eigenschaften nennt und sich selbst Mut macht.  Schlussendlich beflügelt als ihr die Idee mit dem Wasserglas einfällt.  Ruhig und zufrieden zum Schluss, dass sich das Gespräch positiv abrunden lässt.  Erstaunt über das positive Feedback zum Aufenthalt im Mädchenhaus.
  • Kognition Professionelle/r: Was kann ich ihr noch entgegenbringen?  Ich möchte ihr Mut machen und aufzeigen, dass sie selbst Möglichkeiten in sich trägt. Lotta scheint aufzuhorchen als es konkret wird, dies betrifft sie direkt und sie kann besser damit umgehen.  Schlussendlich ist sie offener als am Anfang des Gesprächs und drückt auf ihre Weise eine Dankbarkeit oder Zufriedenheit aus was ihren Aufenthalt im Mädchenhaus anbelangt.  Ich lobe sie, auch wenn es eine Kleinigkeit ist, aber das ist für sie ein unbekanntes Muster und das möchte ich verstärken.  Ich will dass sie versteht wie man sich selbst helfen kann indem man seine eigene Einstellung auf die Dinge verändert kann und so glücklicher sein kann.  Ich glaube dass sie das mit einem Bild versteht, deshalb nehme ich das Wasserglas.  Das scheint sie anzusprechen und sie versteht sofort, bringt ihr eigenes Beispiel.  Das ist gut so.  Ich muss noch einen positiven Schluss finden, damit ich die Übung beenden kann, denn Lotta war schon lange aufmerksam und ich will sie nicht zusätzlich strapazieren.  Ich kenne mich, dass ich mich allzu oft an meinen „Plan“ halten möchte und aus den Augen verliere, was für mein Gegenüber zumutbar ist.  Ich nehme das jetzt wahr und runde das Gespräch mit einer letzten Frage ab, die Lotta die Möglichkeit gibt etwas frei ausdrücken zu können.

 

Siebte Sequenz

Da sich das Gespräch bereits über einen langen Zeitraum erstreckt (zirca 30 Minuten), will die PSA nicht noch einmal nachhaken und beschliesst diese positive Stimmung von Lotta als Abschluss des Gesprächs zu nutzen.  Sie bedankt sich für die Aufmerksamkeit und die Geduld welche Lotta für die Übung aufbringen konnte.  Sie fragt Lotta ob sie eine Kopie der 3 ausgefüllten Blätter haben möchte, doch Lotta verneint.  Daraufhin erklärt die PSA das Gespräch für beendet.  Lotta nimmt Augenkontakt auf mit der PSA und verlässt ruhig den Raum.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: positiv gestimmt, aufmerksam, zeigt Erleichterung beim Abschluss.  
  • Emotion Professionelle/r: erleichtert, zufrieden, ermutigt nicht so schnell aufzugeben, auch wenn die Karten anfangs schlecht stehen.
  • Kognition Professionelle/r: es hat sich doch gelohnt mir Mühe zu geben.  Gottseidank war ich gut vorbereitet mit meinen Fragen.  Es war sinnvoll an diesem Punkt das Gespräch beendet zu haben.  Ich habe gut auf mich selbst aufgepasst und bekannte Fehler vermieden: unbedingt noch dies und das sagen zu wollen.  Oder im Machtkampf doch das eine oder andere Signal zu setzen.  Lotta war nicht offen aggressiv, das hat mir geholfen ruhig zu bleiben und um ihre Resistenz nicht persönlich zu nehmen.  Jetzt kann ich meinen Bericht verfassen mit einer gewissen Zufriedenheit

 

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

  • Menschen können als Schutzmechanismus für sich selbst sich abwehrend verhalten
  • Schutzmechanismen müssen angenommen, verstanden und gegebenenfalls aufgearbeitet werden um nicht als Hindernis einer persönlichen Entwicklung entgegenzuwirken (andere Schutzmöglichkeiten gestalten)
  • die junge Frau steht in einem Loyalitätskonflikt zwischen ihrem Pflichtgefühl ihre Familie zusammenzuhalten und der Erfahrung, dass dies kaum realistisch und für sie nicht förderlich ist
  • die junge Frau handelt oft nach “was ihr Lust macht” oder “was sie abwehrt” und pendelt zwischen diesen Extremen in ihren Entscheidungen
  • verfügt über wenig Wissen und Erfahrung um sich auf Risiko und Kompromisse mit Zuversicht einlassen zu können
  • Die junge Frau erlebt sich Selbstwirksamkeit im Sinne, dass sie ihre Beteiligung sehr rudimentär gestaltet, und wohl spürt, dass die PSA mehr von ihr erwartet.
  • Selbstwirksamkeit : sie fühlt sich als Objekt der Begebenheiten (Situation Familie, Entscheidung Jugendgericht, Bestimmungen im Mädchenhaus) und glaubt noch nicht an ihre eigene Beteiligung zur Verbesserung ihrer Situation (eigene Pflichten erfüllen wie Schule, Aufgaben im Haus korrekt ausführen, Abmachungen und Termine ernst nehmen und einhalten usw.)
  • Familiensystem : als ältere Schwester musste sie oft Verantwortung übernehmen und fühlte sich überfordert, nur Kind sein durfte sie nicht.  Ihr Vatermodell ist sehr geprägt (negative Mutterrolle) und sie kann nur wenig differenzieren (was sie von ihrem Vater unterscheidet), ihre Identifikation mit dem Vater nährt ihre Loyalität zu ihm (ich habe Wutausbrüche wie mein Vater).
  • Vater : die Trennung vom Vater und der Wunsch des Zusammenlebens ist für Lotta das einzig zu erreichende Ziel in diesem Moment.   Dieser starke Wunsch ermöglicht ihr nur in kleinen Mengen andere, nicht prioritäre Angelegenheiten in ihren Augen, wahr zu haben.  Die konkreten Botschaften vom Vater an Lotta sind nicht bekannt, doch sein eigener Wunsch nach Zusammenleben ist klar und beeinflusst ebenfalls seine Tochter.
  • Emotionssteuerung : da ihr in der Herkunftsfamilie die Nuancen der Emotionen nie vor Augen geführt wurden oder über Emotionen geredet wurden und sie den Vater als Modell erlebte (Wutausbrüche), fällt ihr die eigene Steuerung schwer und sie ist hauptsächlich von Wut übermannt, welche jedoch sehr unterschiedliche Emotionen überdeckt
  • Ausdrucksfähigkeit (Sprache) : ihre Muttersprache ist Portugiesisch (Familie), sie lebt in einem anderssprachigen Umfeld (luxemburgiesch), in der Schule muss sie 2 Fremdsprachen (Deutsch und Französisch) lernen, sie ist diesen Anforderungen nicht gewachsen und diese Mehrsprachigkeit hemmt ihre klare Ausdrucksmöglichkeit
  • Kognitiver und emotionaler Entwicklungstand : beide Ebenen sind nicht gefördert worden und zeigen einen deutlichen Rückstand.  Da die Ebenen stark miteinander verkoppelt sind, ist es oft schwer zu verstehen ob Lotta etwas nicht weiss, nicht kann, nicht will um sich zu schützen, provoziert um Nähe und Aufmerksamkeit zu erhalten.  Deshalb ist es äusserst wichtig sich mit ständigen Rückfragen zu versichern. 
  • Kommunikation : ein Missverstehen von Lotta bestärkt ihr Gefühl, nicht verstanden zu sein, überfordert und verantwortlich zu sein und bringt ihr Abwehrmechanismus in Gang.  Das Nachfragen bringt sie zwar an die Grenzen ihrer Ausdrucksfähigkeit, doch wird ihr vermittelt, dass es dem Gegenüber wichtig ist, sie zu verstehen.
  • Veränderungsmöglichkeiten : trotz der Versäumnissen in ihrer Entwicklung gibt es Chancen, dass Lotta durch positive Modelle mehr Möglichkeiten an Erkenntnissen und Handlungsmöglichkeiten erlangt.
  • Hilfsbedürftigkeit : Lotta braucht noch Unterstützung und Strukturen um die Welt um sich besser zu erkennen und sich in ihr so einzufügen, dass sie auch seelisches Wohlbefinden erlangt.  
  • Selbstwertgefühl : Lotta hat ein geringes Selbstwertgefühl, was bewirkt dass sie kaum Kräfte zu Lösungen mobilisiert, sondern eher damit beschäftigt ist eigene Stabilität und Sicherheit durch erlerntes Verhalten zu bewahren.
  • Durch die starke Bindung an den Vater und den Zwangskontext der Plazierung braucht sie überzeugende Modelle (Personen), Erfahrungen um sich anders entwickeln zu können.

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

  • Die PSA hat ein Gespräch geplant nach einem Modell von Andrew Turnell und Steve Edwards „Signs of Safety“ (Einschätzung von Kindeswohlgefährdung), mit dem Ziel, Lotta etwas besser zu verstehen und um sie zu einem konkreten Engagement sich selbst gegenüber zu gewinnen.  In diesem Modell geht es unter anderem um das Erfragen und Verstehen von 3 Ebenen  („Häuser“) geht :
  1. „was sind die guten Dinge in meinem Leben ?“ (mir bewusst werden was gut ist, was funktioniert, was ich behalten möchte, wer mich unterstützt, welche Ressourcen ich habe …);
  2. „was sind meine Sorgen aktuell?“ (welche Probleme möchte ich lösen, wo brauche ich Hilfe von anderen, worüber habe ich Einfluss und worüber nicht, was könnte ich selbst klären …);
  3. „was sind meine Wünsche ?“ (wohin möchte ich, gibt es Ziele, sind diese realistisch und gibt es Möglichkeiten die ich umsetzen kann, wer könnte helfen, zeitlich Strukturierung bis zum Ziel usw.).
  • Empowerment (Selbstkompetenz) (Julian Rappaport, amerikanischer Sozialwissenschaftler) als Strategien und Methoden zur Autonomie und Selbstbestimmung um dem Gefühl von Machtlosigkeit und Kontrollverlust entgegenzuwirken
  • Lösungsorientierter Ansatz (Steve de Shazer und Insoo Kim Berg – Lösungsorientierte Kurztherapie) : auf Lösungen fokussieren, nicht nach Ursachen forschen
  • Die Gesprächsführungsmethodik hilft allen Beteiligten Transparenz dafür zu erhalten wie das Vorgehen ist und welche Fragen es beinhaltet
  • Die Beharrlichkeit der PSA das Gespräch durchzuführen zeigt der jungen Frau auf wie wichtig sie und ihre Zukunft für das Team ist.
  • Provokation und Herausforderung des Klienten werden wahrgenommen und verarbeitet
 

5.3      Erfahrungswissen – Woran erinnere ich mich, was kenne ich aus ähnlichen Situationen?

  • Entwicklungen und Lernschritte brauchen einerseits oft viel Zeit und andererseits werden oft von aussen rasche Fortschritte erwartet.
  • Eigene Erwartungen an die Ressourcen der Klienten müssen immer wieder überprüft und der Realität angepasst werden.
  • Eine Auswahl an Werkzeugen besitzen
  • Werkzeuge und Methoden nach den Fähigkeiten der Klienten auswählen und anpassen
  • Anknüpfen an die Lebenswelt des Klienten
  • Die Klientin ist die Expertin in ihrer Lebenswelt, es gibt noch viele Informationen die man erfahren kann
  • Flexibel mit Methoden und Interventionen umgehen (auch zeitlich)
  • Je ausführlicher die Planung desto sicherer die Durchführung
  • Rahmenbedingungen beeinflussen das Resultat
  • Das Gelingen eines Gesprächs hängt zum Teil auch von unkontrollierbaren Einflüssen ab
  • Gelingende Motivation setzt eigene Motivation voraus und Glauben an das Gelingen
 

5.4      Organisations- und Kontextwissen – Welche Rahmenbedingungen beeinflussen mein Handeln?

  • Ein wöchentliches Gespräch mit jedem Kind / Jugendlichen geben diesen mit der Zeit die Gewissheit, dass alles was sie beschäftigt besprochen werden kann.
  • Daraus kann sich ein Vertrauensverhältnis bilden und vertiefen, unter der Bedingung, dass dieses Vertrauen niemals missbraucht werden darf, bzw. immer klar
  • definiert werden muss was mit welchen Informationen geschieht.
  • Konzept oder die PSA
  • Konzept : das Wohlergehen und Stärken der Mädchen im Alltag ist als prioritäre Aufgabe an das Erzieherinnenteam gestellt, Kommunikation ist das Hauptwerkzeug, Methoden und Medien die den Mädchen angepasst sind werden angewandt, Schutz ist oberstes Gebot.  
  • Erziehungsplanung : zusammen mit den Klientinnen werden Stärken und was zu erlernen ist benannt und Möglichkeiten zur Entwicklung festgelegt und geübt.  Sie sind die Grundlagen für Übungen und Gespräche.
  • Alle Schritte werden dokumentiert (Berichte, Logbook, interne Computerspeicherung)
  • In den Versammlungen werden unterschiedliche Erfahrungen ausgetauscht, Entscheidungen genommen und verbindlich festgelegt, Zukunftsperspektiven erarbeitet und eine konkrete Planung vorgenommen
  • Die Elternarbeit ist ein wichtiger Bestandteil der Arbeit; die Beziehung der Klientinnen zu ihren Eltern ist auch im Mädchenhaus relevant und beeinflussen die Arbeit mit den Klientinnen
  • Erziehungsteam : die Gruppendynamik des Teams braucht Pflege und garantiert ein professionelles Arbeiten, jedes Mitglied nimmt Einfluss auf die Auslegung und den Verlauf der Handlungen des anderen.
  • Beziehungen : Klientinnen und Erzieherinnen haben unterschiedliche Beziehungen zueinander, bereichern die Erfahrungen beiderseits und ermöglichen eine facettenreiche Arbeit.
  • Wissen und Informationen zu der Familiensituation und der Biographie der Klientin sind der PSA bekannt
 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Empathie (aufmerksame Wahrnehmung) ist eine der Grundvoraussetzungen (Kompetenzen) welche alle Sozialarbeitenden in ihrer Arbeit benötigen
  • (Selbst-) Reflexionsfähigkeit ist eine zentrale Kompetenz um seine eigene Befindlichkeit und eigene Erfahrungen mit den damit verbundenen Emotionen
  • zu kennen und sich selbst gegenüber zuzulassen um die Sicht- und Handlungsweise des Gegenübers zu verstehen lernen
  • Prozessgestaltungskompetenz
  • Takt (Fähigkeit sich in den eigenen Möglichkeiten zurückzunehmen)
  • Durchhaltevermögen/Geduld
  • Anpassungsfähigkeit (Anpassung der Methoden und Ziele) und Flexibilität
  • Kreativität (Wahl der Methoden und Rahmenbedingungen)
  • Authentizität, die Absicht ist in Einklang mit der Person
  • Neugierde (wissen wollen) und Interesse am Gegenüber zeigen
  • Eigene Grenzen kennen
  • Sich neuen Herausforderungen stellen können/wollen
  • eigenes Risiko eingehen ohne Gefährdung des Klienten (neue Methoden ausprobieren, eigene Grenzen überdenken)
  • Überzeugung vermitteln (damit Motivation funktioniert)
  • Verantwortung übernehmen (sich seiner eigenen Modellfunktion bewusst sein)
 

5.6      Organisationale, infrastrukturelle, zeitliche, materielle Voraussetzungen – Womit kann ich handeln?

  • Zeit, Raum, Material, Ruhe und Mädchengruppe
  • anonyme Adresse (Schutz)
  • Frauenfördernder Verein (Femmes en détresse asbl) mit 13 anderen Angeboten (Services) die sich ausschliesslich an Frauen richten
  • Methoden, Werkzeuge aus der Sozialpädagogik und anderen Bereichen
  • regelmässige und geplante Gespräche mit den Klientinnen (Standortgespräche, Evaluationsgespräche)
  • grosse Disponibilität seitens der Erzieherinnen im Alltag
  • Angebote für die Mädchen ausserhalb des Hauses : Sport, Jugendhäuser, kulturelle Veranstaltungen, …
  • Elternarbeit : ein Teammitglied und die Verantwortliche des Hauses arbeiten ausschliesslich mit den Eltern ausserhalb des Hauses 
  • wöchentliche Teamversammlung 
  • Supervision als Unterstützung des Teams
  • Mitarbeitergespräche innerhalb des Teams zwischen Verantwortlchen und Teammitglieder
  • Therapeutische Hilfe : Lotta hat eine therapeutische Betreuung ausserhalb des Mädchenhauses angeboten bekommen und angenommen
  • Fortbildungsmöglichkeiten (Finanzierung des Arbeitgebers) ausserhalb der Institution
 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • Die Person so annehmen wie sie ist, auch wenn wir uns manchmal etwas anderes für diese Person wünschen
  • Akzeptieren und unterstützen, dass die Klientin ihren eigenen Lebensweg gestalten will.
  • Selbstwert und Selbstwirksamkeit stärken
  • Glauben an Entwicklungsmöglichkeiten
  • Glauben an die eigene professionelle Selbstwirksamkeit
  • eine authentische und positive Absicht innehaben
  • Respekt des Berufskodexes und des allgemeinen Menschenbildes
  • Leitbild der Institution : Frauen als Opfer von Gewalt mit spezifischer Hilfe zu mehr Schutz, Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung und Autonomie zu verhelfen
  • Eine anerkannte Methode wird benutzt
  • Ziel und Weg sind an die Ressourcen der Klientin angepasst (keine Unter- oder Überforderung)
  • Ziel wird erreicht
  • Die Rahmenbedingungen sind für die Klientin angst- und druckfrei
  • Die Rahmenbedingungen werden an die Klientin angepasst 
  • Die Arbeitsbeziehung zwischen PSA und Klientin ist vertrauensfördernd
  • Die Aufmerksamkeit der Klientin ist während des Gesprächs erhalten
  • Die Erklärungen der PSA sind für die Klientin verständlich und nachvollziehbar
  • Handlungsmöglichkeiten für die Klientin sind erschlossen
  • Die Klientin fühlt sich verstanden 
  • Die Klientin wird gefordert (reflektieren, erkennen, neue Möglichkeiten sehen, Entscheidungen treffen)
  • Die Klientin wird motiviert
  • Eine respektvolle Umgangsform ist gewährleistet
  • Die Übung und der Ausgang der Übung bieten Transparenz
  • PSA bleibt in professioneller Rolle
  • Die benutzte Methode war die der “Signs of Safety” siehe Situationserklärung
  • Ziel und Weg sind an die Ressourcen der Klientin angepasst (keine Unter- oder Überforderung) : Sequenz 5 und 6: Vortragen eines visuellen Beispiels, da Klientin Schwierigkeiten mit abstraktem Denken hat.
  • Ziel wird erreicht : Gespräch wird durchgeführt, Informationen werden ausgetauscht und Erkenntnisse bestätigt 
  • Die Rahmenbedingungen sind für die Klientin angst- und druckfrei : es gab keine Anzeichen von Angst bei der Klientin : Sequenz 1.
  • Die Rahmenbedingungen werden an die Klientin angepasst : PSA schliesst Übung früher ab (Sequenz 7). 
  • Die Arbeitsbeziehung zwischen PSA und Klientin ist vertrauensfördernd: Sequenz 1.
  • Die Aufmerksamkeit der Klientin ist während des Gesprächs erhalten: es gelingt immer wieder die Aufmerksamkeit herzustellen.
  • Die Erklärungen der PSA sind für die Klientin verständlich und nachvollziehbar: Sequenz 6: 2 visuelle Beispiele werden von der Klientin verstanden.
  • Handlungsmöglichkeiten für die Klientin sind erschlossen: es werden 3 Ebenen von aktuellen Handlungserfahrungen im Heim von Klientin genannt. Sequenz 6.
  • Die Klientin fühlt sich verstanden: wird nicht erfragt.
  • Die Klientin wird gefordert: Klientin wird wiederholt angeregt mitzuarbeiten. Sequenz 1, 2, 3.
  • Die Klientin wird motiviert : die Klientin nimmt die Anforderungen an und beteiligt sich persönlich am Gespräch
  • Eine respektvolle Umgangsform ist gewährleistet : PSA und Klientin sind höflich trotz eigener Anspannung
  • Die Übung und der Ausgang der Übung bieten Transparenz : Klientin weiss wo Übung dokumentiert wird, könnte eigene Kopie haben, weiss dass das Erzieherinnenteam Einsicht darin hat
  • PSA bleibt in professioneller Rolle : trotz Resistenz und leichter Provokation lässt die PSA sich nicht aus der Ruhe bringen und kontrolliert ihre eigenen Emotionen
 
  • Solche Themen mit der Gruppe der jungen Frauen zusammen besprechen mit dem Ziel von andern Lösungsversuchen gegenseitig zu profitieren
  • Das gleiche Gespräch zusammen mit der Schwester der Klientin durchführen (Position der Klientin stärken)
  • Eine Methode einsetzen, welche einen freieren Ausdruck der Jugendlichen ermöglicht (kein Erfragen) durch ein Medium z.B. Malen, Märchen, Figuren…
  • Rahmenbedingungen untypisch gestalten : reden beim Spaziergang, unkonventionellen Ort aussuchen
  • Rollenspiel : Rollen tauschen (PSA spielt Klientin und umgekehrt),… 
  • Mit einer paradoxen Methode arbeiten : Klientin das “Schlimmste” ausmalen lassen was ihr passieren könnte und Strategien aufstellen dies zu vermeiden 
  • Was wirkt in der Erziehungshilfe, Autoren : Michael Macsenaere / Klaus  Esser, Verlag : Ernst Reinhardt Verlag München Basel, 2012
  • Sozialpädagogisches Können, Autor : Burkhard Müller, Verlag : Lambertus, 2012, 7. Auflage
  • psychische Gesundheit von Heimkindern, Autor : Marc Schmid, Verlag : Juventa Verlag Weinheim und München, 2007
  • Signs of Safety, comprehensive Briefing Paper, Autor : Dr Andrew Turnell, Verlag : Resolutions Consultance.
  • Signs of Safety – A Solution & Safety Oriented Approach to Child Protection Casework, Autor : Andrew Turnell & Steve Edwards, Verlag : Norton & Company (17. Juli 1999)
  • Mädchenwelten – Mädchenpädagogik, Perspektiven zur Mädchenarbeit in der Jugendhilfe, Autor : Vera Birtsch, Luise Hartwig, Burglinde Retza (Hrsg.), Verlag : IGfH-Eigenverlag, Frankfurt/Main 1991
  • Soziale Kompetez für Jugendliche, Grundlagen und Training, Autor : Gert Jugert, Anke Rehder, Peter Notz, Franz Petermann, Verlag : BELTZ Juventa 8. Auflage 2013
  • Ich schaff’s ! – Cool ans Ziel, Das lösungsorientierte Programm für die Arbeit mit Jugendlichen, Autor : Christiane Bauer, Thomas Hegemann, Carl-Auer Verlag.

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