Mit fremdgefährdende Klient/innen umgehen

Stichwörter:

  • KlientIn ist angespannt und es besteht die Möglichkeit, dass sich seine/ihre Emotionen in Aggressionen umwandeln.
  • Der Klient, die Klientin reagiert in nicht voraussehbaren Situationen mit körperlicher Gewalt und gefährdet somit seine/ihre Mitmenschen.
  • Drohender Verlust seiner/ihrer Selbststeuerung und Impulskontrolle.
  • Angst oder Verunsicherung bei Fachperson.

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

  • Behaviorismus (vgl. Zimbardo, 2008): Verschiedenste Lerntheorien zeichnen den Behaviorismus. Das heisst, jemand kann lernt anhand spezifischen Vorlagen und Situationen. Bei der klassischen Konditionierung handelt es sich „[..] um eine Grundform des Lernens, wobei ein Stimulus oder Ereignis das Auftreten eines anderen Stimulus oder Ereignisses voraussagt“ (Zimbardo, 2008: 195). Angstzustände und Aggressivität könnten also auf Ursachen wie früherer Missbrauch und Gewalt zurückgreifen. Die Klienten könnte Ereignisse so einschneidend erlebt haben, dass der Stimulus „eine Person kommt mir nah, fasst mich an“ (was aber nicht in schlechter Absicht wäre) zu einem neuen Ereignis wird. Diese Konditionierung funktioniert aber nur nach mehrmaligen Ereignissen, so dass wir von einer richtigen Konditionierung reden können. Die Klientin gerät in Panik, meist aus unerwarteter Situation heraus, und wir aggressiv. Dies kann ein Abwehr- und Schutzinstinkt sein, indem sie versucht sich selbst zu schützen, da sie diese schlechte Erfahrung im Hinterkopf haben kann. 
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Ein Trauma kann durch verschiedenste Lebensereignisse entstehen, welche extrem stressreich waren. Dies meint aber nicht etwa eine stressige Situation wie das Absolvieren einer Prüfung, sondern eine Situation, die das Gehirn in eine Art Klemme bringt. Unser Gehirn ist dazu veranlagt, auf eine schnelle Weise mit einer stressreichen Situation fertig zu werden. Wenn ein Trauma entsteht, wird das Gehirn so extrem überflutet, dass es keinen Ausweg mehr kennt (keine Flucht und auch keine Kampf-Reaktion). Es kommt zu einer Lähmungsreaktion. Bei einem solchen Ereignis kann dies zu einer PTBS führen, was wiederum mit belastenden Erinnerungen, Flashbacks und Halluzinationen zusammenhängt. Man spricht von einer PTBS, wenn die Symptome länger als 4 Wochen anhalten. (vgl. Huber 2003). Ausserdem können Traumatisierte zur Selbstverletzung greifen. Das heisst, sie verletzen sich selbst, um etwas zu spüren und auch um den eigentlichen Schmerz des Traumas zu verdrängen (vgl. Huber, 2003: 168).
  • Rollentheorien (Rollenerwartungen erfüllen)
  • Anomietheorie nach Merton oder Durckheim: Mit diesem Ansatz will Merton untersuchen, in welcher Weise die soziale und kulturelle Struktur auf Menschen in unterschiedlichen Situationen Druck ausübt, der dazu führt, dass sie sich sozial abweichend verhalten. Aktivitäten zum Selbstzweck. Verhalten, welches in den Institutionen ritualisiert wurde. Gesellschaft ist dadurch stabil. Wenn allerdings Bedürfnisse nicht befriedigt werden, müssen zu illegale Mittel gegriffen werden. Wenn die Gesellschaft Überhand einnimmt, kann einen Anomie (Normenlosigkeit entstehen).
  • Machttheorie nach Weber: Verschieden Arten von Machtausübung: Institutionelle Macht: gesellschaftliches Zusammenlebens sind Institutionen, als Trägerinnen sozialer und kultureller Wertvorstellungen, die soziales Handeln strukturieren. Autoritative Macht: Machtphänomen, die über Ansichten und Einstellung anderer Menschen wirken. Die innere Macht operiert nicht mit Vor- und Nachteilung der ausgeübten Handlung. 
  • Lothar Böhnisch (2004): Genderrollen. Männliche Rolle (Gesellschaft hat ihre klare Vorstellungen wie ein Mann sein muss (ein Mann muss gesellschaftstüchtig erzogen werden und verfolgt kollektiven Normen).Bewältigungsverhalten: je weniger Männer lernen sich selbst zu sein und keine biologische Bewältigungsmuster anwenden, desto häufiger kommt es vor, dass sie mit gewalttätigen Akten handeln.
  • Bindungstheorie nach Bowbly: Es wurde festgestellt, dass sowohl Mütter als auch Väter mehr Emotionswörter verwenden, wenn sie mit ihren Töchtern über traurige Erfahrungen sprechen als mit ihren Söhnen (Fivush et al. 2000). Unsicher desorganisiertes Bindungsmuster: Das unsicher desorganisiert gebundene Kind zeigt im Vergleich zu den anderen Bindungsmuster eine wenig durchgängige Verhaltensstrategie, sondern zeichnet sich durch emotional widersprüchliches und inkonsistentes Bindungsverhalten aus. Das Kind erlebt eine Unterbrechung seiner Bindungsstrategie; trotz realer Anwesenheit ist die Bindungsperson emotional unerreichbar. Kinder, die misshandelt wurden oder deren Bezugspersonen unter eigenen unverarbeiteten Traumatisierungen leiden, zeigen häufig dieses Bindungsmuster (Main/ Solomon 1990). Es besteht ein enger Zusammenhang mit familiären Risikofaktoren wie Misshandlung, psychischen Störungen und Suchtverhalten (Main 1995). Beim Erwachsenen zeigt sich eine gedankliche Inkohärenz und Irrationalität bei bestimmten Themen wie Tod oder Trennung, während bei anderen Themen Elemente anderer Arbeitsmodelle gezeigt werden.

 

 

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

  • Gesprächsführung (insbesondere nach Carl Rogers, Bsp. Spiegelungstechnik)
  • Deeskalationstechniken
  • Fallspezifische psychologische Kenntnisse (emotionale instabile, dissoziale und paranoide Persönlichkeitsstörung sowie Übertragung – Gegenübertragung)
  • Konfliktfähigkeit (Ich-Formulierungen, eigene emotionelle Wahrnehmung mitteilen)
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Der Mensch baut sein eigenes Schemata durch Erfahrungen und Adaption auf. Das heisst, er strebt nach Gleichgewicht von Umwelt und eigenen Vorstellungen. Bei negativen Kognitionen soll eine solche Verhaltenstherapie hilfreich sein. Sie dient dazu, eine langfristige kognitive Umstrukturierung zu erreichen. Es ist hier wichtig, die negativen Gedanken zu identifizieren und in Frage zu stellen. Dies soll zu angepassten (Umwelt und Klientin im Gleichgewicht) Gedanken führen. Die Klientin soll also in ihrem Verhalten ernst genommen werden. Jedoch kann das Aufzeigen und Sprechen über ihre negativen Kognitionen, die Klientin ins Bewusstsein der eigentlichen Realität und Umwelt führen. So können ihre Kognitionen positiver werden. Ich nehme also ihre Realität wahr, zeige ihr aber auf, dass sie ihre Schemata an die Umwelt anpassen soll, damit sie die eigentliche Realität überhaupt wahrnehmen kann.
  • Operantes Konditionieren (vgl. Zimbardo, 2008): Bei einer solchen Situation können Verstärker eine Rolle spielen.
  • Funktionale Gesundheit: Es wird mit den Kompetenzen der Bewohner gearbeitet. Dabei legen die Fachpersonen den Fokus auf die Teilhabe der Menschen, die beeinträchtigt sind. Dies wird analysiert, in dem die Räume, in der diese Menschen leben und alltägliche Aktivitäten genauer unter die Lupe genommen werden. Durch dieses Hinschauen sollen unpassende Strukturen optimiert werden.

 

 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Erfahrungswissen
  • Kommunikative Fähigkeiten
  • Reflexionsfähigkeit (eigene Wirkung einschätzen und anpassen)
  • Eigene Körperwahrnehmung (Atemkontrolle, gesunde Anspannung, etc.)
  • Die PSA muss ruhig mit dieser Situation umgehen können, auch wenn sie neu ist.
  • Fähigkeit auf KlientIn einzugehen und ihm/ihr zeigen, dass PSA es gut mit ihm meint und dass keine Gefahr besteht.
  • Die PSA verfügt über empathische Züge und nimmt die Klientin wahr.
  • Mit anderen Mitarbeitern kooperieren zu können.

 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • Berufskodex: Die Soziale Arbeit soll soziale Notlagen von Klienten verhindern, beseitigen oder lindern.
  • Die Soziale Arbeit hat ausserdem Menschen zu begleiten, betreuen oder zu schützen. Das heisst, wir sind verpflichtet die Klientin zu betreuen, wie auch alle anderen Klienten zu schützen. 
  • Menschenbild: Jeder Mensch hat ein Recht auf Geborgenheit und seelischen Wohlstand. Kein Mensch sollte Angst haben. Kein Mensch darf andere verletzen. 
  • Ausbrüche physischer Gewalt und Konflikte sind kontrolliert.
  • Die Emotionen des Professionellen im Kontakt mit dem Klienten treten kontrolliert und professionell auf, indem die Rollendistanz gewahrt wird. 
  • Klienten und Menschen in deren unmittelbaren Umgebung sind vor physischer Gewalt geschützt.
  • Persönliche Distanz
  • Bedrohungsabnahme
  • Verhindern von Gewaltausübung und sich aufschaukelnden Prozessen
  • Erhalt der Arbeitsbeziehung bzw. Arbeitsbündnisses
  • Vorfall wird im Team oder mit Leitung besprochen, um bisherige Sicherheitsstandards zu überprüfen und ggf. anzupassen
  • Auf Selbstbestimmung und Mitbestimmung des Klienten wird geachtet.
  • Böhnisch Lothar (2004) Männliche Sozialisation. Eine Einführung. Juventa Verlag Weinheim und Münschen.
  • http://www.kindergartenpaedagogik.de/1722.html

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