Fremdgefährliche Klienten / Pausensetting an einer Heilpädagogischen Schule

Stichwörter:

  • Der Klient, die Klientin reagiert in nicht voraussehbaren Situationen mit körperlicher Gewalt und  gefährdet somit seine/ihre Mitmenschen.
  • Der Klient, die Klientin reagiert unberechenbar in seiner/ihrer Handlung. Die Situation ist nicht überschaubar.
  • Es besteht Handlungsbedarf. Der Klient, die Klientin muss in ein neues Setting geführt werden, damit sich die Situation beruhigen kann

Die Situation findet auf dem Pausenplatz einer Heilpädagogischen Schule statt.

Eine Klientin ist erst seit einem halben Jahr an dieser Schule und verhält sich auffällig, in dem sie sich selbst wie auch andere Mitschüler und Mitarbeiter kratzt und klemmt. Dies geschieht meist ohne Vorwarnung. Die PSA arbeitet erst seit ca. 2 Wochen an dieser Schule. Am Tag dieser Situation befand sich die PSA in einer anderen Klasse als Stellvertretung.

Erste Sequenz: PSA geht auf den Pausenplatz

Die PSA geht mit einer Lernenden auf den Pausenplatz. Diese Lernende braucht eine enge Betreuung während der Pause, da sie sonst abhauen würde und sich wenig orientieren kann. Sie ist also mit ihren kognitiven Fähigkeiten eingeschränkt.  Die Klientin, welche in dieser Situation die Hauptrolle übernimmt,  spielt irgendwo in der Nähe auf dem Spielplatz.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: gelassen und fröhlich
  • Emotion Professionelle/r: gelassen, etwas angespannt, weil es eine der ersten Pausen ist und weil die Verantwortung für die Lernende bei ihr liegt. Eine gewisse Unsicherheit besteht.
  • Kognition Professionelle/r: PSA ist neu an dieser Organisation. Hoffentlich geht alles gut. Die Lernende muss immer im Auge behaltet werden, die Verantwortung liegt bei PSA

 

 

Zweite Sequenz: Klientin kommt auf PSA zu

Während die PSA mit der Lernenden über den Pausenplatz spaziert, kommt die Klientin langsam auf die PSA zu. Sie will die beiden sichtlich begrüssen. Die PSA weiss jedoch über die Besonderheiten der Klientin Bescheid.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: zeigt Offenheit, fröhlich und aufgeregt
  • Emotion Professionelle/r: etwas angespannt, unsicher
  • Kognition Professionelle/r: PSA kennt die Verhaltensmuster (panische Angstattacken, aggressive Verhaltensweisen) der Klientin ein wenig und versucht sich nichts anmerken zu lassen

 

 

Dritte Sequenz: Klientin wird handgreiflich an der zu betreuenden Lernenden

Nach dem Grüssen der Klientin wird diese plötzlich handgreiflich an der Lernenden. Sie kratzt diese ins Gesicht und hält dann schnell inne. Die Lernende erschien etwas erschrocken, ist jedoch kognitiv nicht in der Lage, irgendwie zu reagieren. Sie ist der Situation ausgeliefert. Der Übergriff lief so schnell ab, so dass die PSA keine Chance hatte, zu intervenieren.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: aggressiv, ängstlich, aufbrausend
  • Emotion Professionelle/r: erschrocken, panisch, ratlos
  • Kognition Professionelle/r: Das unverhoffte Verhaltensmuster der Klientin traf tatsächlich ein. Wie soll PSA reagieren?

 

 

Vierte Sequenz: PSA versucht Lernende zu schützen

Die PSA versucht die Lernende zu schützen, in dem sie die Hände der Klientin festhält und sie versucht zu beruhigen. Die Klientin fängt schrecklich an zu schreien, kratzt und beisst auch sich selbst, spricht von Monstern, welche sie glaubt zu sehen.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: erschrocken über PSA, ängstlich, panisch, verwirrt
  • Emotion Professionelle/r: immer noch ratlos, aufgeregt, nervös
  • Kognition Professionelle/r: Verantwortungsbewusstsein der Lernenden gegenüber. Die PSA hat die Verantwortung, dass es der Lernenden gut geht. Macht sich zu diesem Zeitpunkt noch keine Gedanken über die möglichen Konsequenzen.

 

 

Weitere Sequenzen

Fünfte Sequenz: Klientin wird handgreiflich an PSA

Während die PSA die Hände der Klientin festhält, kann diese sich kurz losreissen und erwischt die PSA im Gesicht und an den Händen. Dies hinterlässt eindeutige Kratzspuren.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: aggressiv, ängstlich, panisch
  • Emotion Professionelle/r: total erschrocken, ratlos, traurig, verzweifelt
  • Kognition Professionelle/r: unerwartete Situation. Die Klientin hat bisher noch keine Mitarbeiter angegriffen.

 

Sechste Sequenz: Unterstützung für PSA

Als die PSA wieder die Klientin festhalten kann, schreit die Klientin aus Leibeskraft weiter und hört nicht damit auf. Kurz darauf kommt eine Lehrperson, welche meine Hilferufe wahrnahm und übernimmt. Die PSA hat jetzt Zeit, sich zu beruhigen und wird von der stellvertretenden Schulleiterin betreut.

Reflection in Action

  • Emotion Klient/in: ängstlich, panisch, weinend, unsicher
  • Emotion Professionelle/r: unter Schock, traurig, weinend, enttäuscht, erleichtert über Unterstützung
  • Kognition Professionelle/r: PSA will sich beweisen und versucht die Klientin zu beruhigen. PSA kann sich aber nicht gut beherrschen und ist der Situation ausgeliefert. Diese Situation belastet sie sehr. Die PSA weiss jetzt aber, dass sie nie alleine ist, sondern auf Unterstützung zählen kann.

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

  • Behaviorismus (vgl. Zimbardo, 2008): Verschiedenste Lerntheorien zeichnen den Behaviorismus. Das heisst, jemand kann lernt anhand spezifischen Vorlagen und Situationen. Bei der klassischen Konditionierung handelt es sich „[..] um eine Grundform des Lernens, wobei ein Stimulus oder Ereignis das Auftreten eines anderen Stimulus oder Ereignisses voraussagt“ (Zimbardo, 2008: 195). Angstzustände und Aggressivität könnten also auf Ursachen wie früherer Missbrauch und Gewalt zurückgreifen. Die Klienten könnte Ereignisse so einschneidend erlebt haben, dass der Stimulus „eine Person kommt mir nah, fasst mich an“ (was aber nicht in schlechter Absicht wäre) zu einem neuen Ereignis wird. Das heisst, die Klientin verknüpft ihre schlechten Erfahrungen mit den weiteren für sie ähnlichen Ereignissen zusammen und reagiert dementsprechend. Diese Konditionierung funktioniert aber nur nach mehrmaligen Ereignissen, so dass wir von einer richtigen Konditionierung reden können. Die Klientin gerät in Panik, meist aus unerwarteter Situation heraus, und wir aggressiv. Dies kann ein Abwehr- und Schutzinstinkt sein, indem sie versucht sich selbst zu schützen, da sie diese schlechte Erfahrung im Hinterkopf haben kann. 
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Ein Trauma kann durch verschiedenste Lebensereignisse entstehen, welche extrem stressreich waren. Dies meint aber nicht etwa eine stressige Situation wie das Absolvieren einer Prüfung, sondern eine Situation, die das Gehirn in eine Art Klemme bringt. Unser Gehirn ist dazu veranlagt, auf eine schnelle Weise mit einer stressreichen Situation fertig zu werden. Wenn ein Trauma entsteht, wird das Gehirn so extrem überflutet, dass es keinen Ausweg mehr kennt (keine Flucht und auch keine Kampf-Reaktion). Es kommt zu einer Lähmungsreaktion. Bei einem solchen Ereignis kann dies zu einer PTBS führen, was wiederum mit belastenden Erinnerungen, Flashbacks und Halluzinationen zusammenhängt. Man spricht von einer PTBS, wenn die Symptome länger als 4 Wochen anhalten. (vgl. Huber 2003). Bei dieser Klientin kann die Reaktion, welche sie auf andere Menschen hat, anhand von Flash-backs (kurze Erinnerungen, die einen in die traumatische Erfahrung zurückversetzen) und Halluzinationen mit einem traumatischen Ereignis in Verbindung gebracht werden. Ausserdem können Traumatisierte zur Selbstverletzung greifen. Das heisst, sie verletzen sich selbst, um etwas zu spüren und auch um den eigentlichen Schmerz des Traumas zu verdrängen (vgl. Huber, 2003: 168). Die Klientin geht nach einem Angriff an anderen Mitmenschen sofort in die Selbstverletzung über (siehe 4.4). Dies kann auf eine Traumatisierung hinweisen, die sie zu bewältigen/verdrängen versucht. 
  • Kognitive Beeinträchtigung: Die Klientin ist kognitiv beeinträchtigt. Deshalb besucht sie eine Sonderschule. Diese Beeinträchtigung bewirkt, dass sie sich noch in der voroperatorischen Stufe der Entwicklung nach Piaget befindet. Diese Stufe ist vor allem vom Anthropomorphismus (sprechen mit Gegenständen) und magischem Denken geprägt. Dies führt wiederum zu falschen Assimilationen, das heisst die Umwelt wird dem eigenen Schema angepasst (vgl. Kegan, 1986). Das magische Denken führt bei der Klientin dazu, dass sie das Gefühl hat, dass es Monster wirklich gibt und auch mit ihnen spricht.

 

 

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

  • Kognitive Verhaltenstherapie: Der Mensch baut sein eigenes Schemata durch Erfahrungen und Adaption auf. Das heisst, er strebt nach Gleichgewicht von Umwelt und eigenen Vorstellungen. Bei negativen Kognitionen soll eine solche Verhaltenstherapie hilfreich sein. Sie dient dazu, eine langfristige kognitive Umstrukturierung zu erreichen. Es ist hier wichtig, die negativen Gedanken zu identifizieren und in Frage zu stellen. Dies soll zu angepassten (Umwelt und Klientin im Gleichgewicht) Gedanken führen. Die Klientin soll also in ihrem Verhalten ernst genommen werden. Jedoch kann das Aufzeigen und Sprechen über ihre negativen Kognitionen, die Klientin ins Bewusstsein der eigentlichen Realität und Umwelt führen. So können ihre Kognitionen positiver werden. Ich nehme also ihre Realität wahr, zeige ihr aber auf, dass sie ihre Schemata an die Umwelt anpassen soll, damit sie die eigentliche Realität überhaupt wahrnehmen kann. Bei dieser Klientin spielt der Faktor, dass sie kognitiv beeinträchtigt ist, und ev. diese Möglichkeit von Akkomodation gar nicht ausführen und erlernen kann, eine wichtige Rolle.
  • Operantes Konditionieren (vgl. Zimbardo, 2008): Bei einer solchen Situation können Verstärker eine Rolle spielen. Die Klientin wird z.B. mit dem positiven Verstärker „ihr Lieblingsbuch lesen zu dürfen“ verstärkt, so dass sie in einer solchen Situation, ernst genommen wird und für ihre gute Reaktion gelobt wird. Das heisst, wenn die Klientin den Anforderungen entspricht, darf sie dementsprechend den positiven Verstärker „das Buch“ an sich nehmen. Es folgt also auf eine Tat einen positiven Reiz für die Klientin.

 

 

5.3      Erfahrungswissen – Woran erinnere ich mich, was kenne ich aus ähnlichen Situationen?

  • Diese Erfahrung ist in diesem Rahmen ganz neu für mich. 
  • Die Erfahrungen mit Kindern, welche Angst haben und Unsicherheit ausstrahlen, könnten hier etwas vergleichbar sein. Bei einer solchen Situation versuchte ich diese Kinder zu trösten, ernst zu nehmen und vor allem wahrzunehmen. Dies gibt ihnen Sicherheit. Auch hier spielt das Aufzeigen der Realität eine wichtige Rolle. 
  • In ähnlichen Situationen haben panische und ängstliche Reaktionen meinerseits die Situation nur verschlimmert. Dieses Verhalten kann auf das Kind übertragen werden, da es diese Emotionen verspürt und als solche interpretieren kann.
  • Aus Erfahrungen von anderen Mitarbeitenden beruhigen Worte mit einer von ihnen vertrauten Bedeutung, die Klientin sehr gut. So verspürt sie eine Vertrautheit und kann sich der Realität annähern.

 

 

5.4      Organisations- und Kontextwissen – Welche Rahmenbedingungen beeinflussen mein Handeln?

  • In der Organisation hat die PSA die Verantwortung gegenüber ihrer Betreuungspersonen. Es besteht in einer solchen Situation, wo Klienten fremdgefährlich werden und auch andere Mitschüler angreifen, Handlungsbedarf. Hier besteht der Druck, etwas zu unternehmen. Ausserdem pflegen wir die Haltung „Alle unterstützen einander“. Das heisst, die PSA kann, darf und muss zusätzliche Hilfe holen, in Situationen, die sie zu überfordern scheint.

 

 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Die PSA muss ruhig mit dieser Situation umgehen können, auch wenn sie neu ist. Sie kann versuchen auf den Klienten einzugehen und ihm zeigen, dass sie es gut mit ihm meint und dass keine Gefahr besteht. Die PSA verfügt über empathische Züge und nimmt die Klientin wahr. Mit anderen Mitarbeitern kooperieren zu können, scheint auch hier ein wichtiger Aspekt zu sein.

 

 

5.6      Organisationale, infrastrukturelle, zeitliche, materielle Voraussetzungen – Womit kann ich handeln?

  • Die Organisation stellt ein Lernumfeld für unsere Klienten zur Verfügung. Dieses Umfeld ist jedoch auch zeitlich begrenzt, da die anderen Mitschüler ebenfalls etwas lernen und nicht verhindert werden wollen. Eine solche Situation zu bewältigen braucht viel Zeit und Geduld. Deshalb steht der PSA etwas im Zwiespalt zwischen den Anforderungen der Organisation und den aktuellen Umständen, die den Anforderungen nicht gerecht werden können.
  • Es sind verschiedenste Räume vorhanden, um ein aktuelles, unpassendes Setting zu verändern. 
  • Die Organisation besteht aus vielen Professionellen, welche als Team zusammen arbeiten. Hier besteht also die Möglichkeit, professionelle Unterstützung anzufordern.

 

 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • Berufskodex: Die Soziale Arbeit soll soziale Notlagen von Klienten verhindern, beseitigen oder lindern. Dies zeigt, dass wir eingreifen müssen bei diesem Fall. Dieser Fall zeigt eindeutig eine Notlage der Klientin.
  • Die Soziale Arbeit hat ausserdem Menschen zu begleiten, betreuen oder zu schützen. Das heisst, wir sind verpflichtet die Klientin zu betreuen, wie auch alle anderen Klienten zu schützen. 
  • Menschenbild: Jeder Mensch hat ein Recht auf Geborgenheit und seelischen Wohlstand. Kein Mensch sollte Angst haben. Kein Mensch darf andere verletzen. 
  • Leitbild der Organisation: Wir pflegen eine wertschätzende Kommunikation und meistern Herausforderungen gemeinsam. Das heisst also, niemand steht alleine da, sondern kann immer mit Unterstützung rechnen.

 

  • Ausbrüche physischer Gewalt und Konflikte sind kontrolliert.
  • Die Emotionen des Professionellen im Kontakt mit dem Klienten treten kontrolliert und professionell auf, indem die Rollendistanz gewahrt wird. 
  • Klienten und Menschen in deren unmittelbaren Umgebung sind vor physischer Gewalt geschützt

Qualitätsstandard: Ausbrüche physischer Gewalt und Konflikte sind kontrolliert.

Erfüllt. Der Ausbruch wird von der PSA kontrolliert, in dem sie eingreift und die Klientin entsprechend zu beruhigen versucht. Es wird ersichtlich, dass die PSA Hilfe von anderen Professionellen in Anspruch nimmt, so dass die Situation nicht eskalieren kann. Die PSA kontrolliert demnach die Situation vor allem in Kooperation mit ihren Mitarbeitern. Dies schliesse ich auf das Leitbild der Organisation zurück, welches besagt, dass Herausforderungen gemeinsam zu lösen sind. Hier folgt die PSA also dem Wertewissen, hier das Leitbild der Organisation.

Qualitätsstandard: Die Emotionen des Professionellen im Kontakt mit dem Klienten treten kontrolliert und professionell auf, indem die Rollendistanz gewahrt wird.

Teilweise erfüllt. Die PSA wird von ihren Gefühlen überrumpelt und kann diese sichtlich nicht kontrollieren. Es besteht eine Überforderung. Die PSA ist schockiert und unsicher und kann ihre Emotionen, angesichts der Tatsache, dass sie angegriffen wurde, nicht kontrollieren. Die Situation ist also von hoher Emotionalität der PSA wie auch der Klientin geprägt. Der Teil dieses Qualitätsstandards, wo es darum geht, die Emotionen während dieser Situation kontrolliert zu bewahren, ist hier definitiv unerfüllt.  Was der PSA gut gelang, war die Kontrolle über ihren Körper. Das heisst, sie versucht trotz festhalten der Hände der Klientin, diese nicht zu verletzen. Dies ist ihr stets bewusst. Hier gelingt es ihr, die Rollendistanz zu behalten. Deswegen ist dieser Standard teilweise erfüllt.

Qualitätsstandard: Klienten und Menschen in deren unmittelbaren Umgebung sind vor physi-scher Gewalt geschützt.

Teilweise erfüllt. In dieser Situation ist es der PSA unmöglich die anderen Menschen in der Umgebung der Klientin zu schützen, da die Klientin blitzschnell handelt. Hier war es der PSA nicht möglich rechtzeitig zu reagieren. Die PSA kümmert sich aber anschliessend sofort um die Klientin und sorgt dafür, dass sich ein solcher Angriff nicht nochmals wiederholt. Sie hält sie fest, um die Umwelt vor weiteren Angriffen zu schützen. Das heisst, der erste Angriff der Klientin auf ihre Mitschülerin, konnte von der PSA nicht verhindert werden. Dieser Standard ist aber teilweise erfüllt, da die PSA die Umgebung vor weiteren Übergriffen schützt.

Beim ersten Standard handelt es sich um die Kontrollierbarkeit einer prekären Situation. Dies ist sehr situationsabhängig. Angesichts der Tatsache, dass die PSA über die Verfassung der Klientin Bescheid wusste, bestünde die Möglichkeit, sich mehr Gedanken und Überlegungen zum Umgang mit dieser Klientin zu machen. Das Bewusstsein, dass ein Angriff jederzeit möglich ist, kann erleichternd sein, in dem Sinne, dass es weniger unangenehme Überraschungen gäbe. Trotzdem ist es wichtig, seine Grenzen zu erkennen, um zu sehen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, um Hilfe von anderen Professionellen zu holen. Dies ist keine Schande, sondern zeigt Mut und folgt dem Weg des Leitbildes der Organisation. Wenn es die Möglichkeit gäbe, in jeder Situation sofort Hilfe von anderen Professionellen anfordern zu können, wäre es sicherlich möglich gewesen, die Situation schnell unter Kontrolle zu bringen. Dies hätte dazu führen können, dass die PSA nicht auch noch angegriffen worden wäre. Dies wären mögliche Konsequenzen.

Die Emotionalität ist beim zweiten Standard von grosser Bedeutung. Jeder Mensch reagiert verschieden auf solche Situationen. Hier gilt es, sich abgrenzen zu können, nichts persönlich zu nehmen. Es war kein Angriff explizit auf die PSA. Dieses Bewusstsein kann helfen, die Emotionen zu kontrollieren. Die Emotionalität, welche nach einem Angriff hochkommt, ist meist schwierig zu kontrollieren. Wichtig ist dabei, die Beherrschung über den Körper nicht zu verlieren, was der PSA gut gelungen ist.  Die PSA hätte, weil sie über die Verfassung der Klientin Bescheid wusste, Abstand zu dieser Klientin behalten können. Dies hätte zu einer Vermeidung dieses Ausbruchs führen können.

Der Schutz der Klienten zu gewährleisten gehört in den Berufskodex. Die PSA hätte sofort reagieren können, das heisst, zuerst auf die Klientin zuzugehen, bevor diese überhaupt die Möglichkeit hätte, eine Mitschülerin anzugreifen. Hier könnte die PSA also präventiv handeln. Dies hätte aber auch eine hohe Unsicherheit bei der Klientin bewirken können, was den Angriff auf die PSA nicht verhindert hätte, aber ihr Umfeld geschützt wäre, was wiederum dem Qualitätsstandard entsprechen würde.

  • Kegan, R. (1986). Die Entwicklungsstufen des Selbst. Fortschritte und Krisen im menschlichen Leben. München: Kindt.
  • Zimbardo, Philip G. / Gerrig Richard J. (2008). Psychologie. 18. akt. Auflage München : Pearson Studium
  • Huber, Michaela (2003). Trauma und die Folgen. Trauma und Traumabehandlung Teil 1. Paderborn: Junfermann Verlag

Schreiben Sie einen Kommentar

Close Menu