Essenssituation gestalten

Stichwörter:

  • Die PSA und KlientInnen können unterschiedliche Norm- und Wertvorstellungen bezüglich des Essens und der Esssituation haben.
  • Die Institution gibt verschiedene Abläufe zur Essenssituation vor, die die PSA nicht beeinflussen kann.
  • Es sind individuelle Bedürfnisse der KlientInnen vorhanden, die beachtet werden müssen (Essen, Sitzplatz, Regeln, Gemütszustand usw.)
  • Es handelt sich um eine Gruppensituation
  • Es gibt Tisch- und Essensregeln, wie man sich während der Essenssituation zu verhalten hat 
  • Zusammentreffen mehrerer Personen

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

  • Warum lassen sich die Kinder so stark voneinander beeinflussen, ablenken usw.?
  • “In Anlehnung an die Skinnersche-Reinforcement-Theorie wurde festgestellt, dass Kinder in besonderem Masse auf die Zustimmung oder Ablehnung bestimmter Gleichaltriger reagieren und vor allem die Verhaltensweisen zeigen, für die sie des Öfteren von diesen bewundert wurden (vgl. Stevenson 1965). Deshalb fällt es z.B. dem Lehrer so schwer, den Klassenkasper auszuschalten, weil dieser durch das Gelächter der Klasse bei jeder Albernheit eine Verstärkung erfährt und darüber hinaus von anderen Kindern nachgeahmt wird.“ (Naudascher, Brigitte (2003, S. 129)
  • Das Imitationslernen, auch Lernen am Modell genannt, beruht auf der Lerntheorie von Albert Bandura. Soziales Verhalten wir vorwiegend durch Nachahmung erlernt und macht einen Hauptteil des menschlichen Lernens aus. Beim Imitationslernen wird nicht nur positiv, sondern auf negativ bewertetes Verhalten nachgeahmt (vgl. Stanjek, 2009). Antisoziale Vorbilder können aber auch antisoziale Effekte haben.
  • In der mittleren Kindheit gibt es einen riesigen Zugewinn an kognitiver Hemmung, was bedeutet, dass innere und äussere ablenkende Reize besser kontrolliert werden können, weil sich das Frontalhirn weiterentwickelt (vgl. Berk, Laura E., 2005, S. 395).
  • Von der mittleren Kindheit an existieren starke Zusammenhänge zwischen dem Selbstwertgefühl und dem Alltagsverhalten. Kinder mit einem hohen sozialen Selbstwertgefühl sind bei Gleichaltrigen beliebter. Zudem korreliert ein Profil niedrigen Selbstwertgefühls in allen Bereichen mit Angst, Depression und zunehmendem antisozialem Verhalten (vgl. Berk, Laura E., 2005, S. 434).
  • Die Fähigkeit, die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen, variiert bei Kindern gleichen Alters sehr stark. Individuelle Unterschiede lassen sich zurückführen auf die kognitive Reife wie auch auf Erfahrungen, in denen Erwachsene und Gleichaltrige Standpunkte beschreiben haben, etwa dass Kinder ermutigt werden, die Perspektive anderer wahrzunehmen (Dixon & Moore, 1990). Kinder mit schlecht entwickelten sozialen Fähigkeiten – insbesondere Kinder, die ein wütendes, aggressives Verhalten an den Tag legen – haben grosse Schwierigkeiten, sich die Gedanken und Gefühle anderer vorzustellen. Sie haben keine Schuldgefühle oder ziehen Wiedergutmachung in Erwägung, da sie den Standpunkt ihres Gegenübers nicht bewusst wahrnehmen (vgl. Berk, Laura E., 2005, S. 440).
  • Konditionierungstheorie nach Skinner: Beim Lernen durch Konditionierung wird je nach Konsequenz eines Verhaltens diese künftig wiederholt oder verworfen (vgl. Siebert 2007:41). Dabei wird ein bestimmtes Verhalten mit seiner Konsequenz gekoppelt (vgl. ebd.:40-41). Die Konsequenzen können ein Verhalten positiv oder negativ verstärken. Verstärkung bedeutet, dass ein Verhalten unter ähnlichen situativen Bedingungen wiederholt wird. Bei der positiven Verstärkung folgt auf ein Verhalten eine positive Konsequenz, so dass dieses Verhalten wiederholt wird. Bei der negativen Verstärkung kann durch ein bestimmtes Verhalten eine unangenehme Konsequenz vermieden werden. Dadurch wird die Auftretenswahrscheinlichkeit des Verhaltens ebenfalls erhöht (vgl. Chapman et al. 2009:74-75).  
  • Humanistische Ps chologie nach A. Maslow: In der humanistischen Psychologie wird jeder Mensch als eigenständige Persönlichkeit gesehen und in seiner Individualität respektiert. Die humanistische Psychologie geht von der Grundannahme aus, dass jeder Mensch nach Autonomie strebt und über eigene Fähigkeiten zur Veränderung und Problemlösung verfügt. Sind diese Fähigkeiten aufgrund von Behinderung, Krankheit oder Alterungsprozess gestört oder eingeschränkt, so gilt es diese brachliegenden Ressourcen zu entdecken und zu fördern. Zudem vertritt die humanistische Psychologie die Meinung, dass jeder Mensch für sich selber weiss, was für ihn gut ist. Jeder Mensch soll ernstgenommen werden in der Art und Weise wie er sich ausdrückt und handelt. Jedes Verhalten macht für den betreffenden einen Sinn, auch wenn dieser für die Mitmenschen verborgen bleibt. Wenn wir einem Menschen mit geistiger Behinderung mit der Haltung begegnen, dass sein Verhalten eine Bedeutung hat, die wir nicht verstehen, ermöglicht dies einen ganz anderen Zugang zu diesem Menschen, als wenn wir ihn einfach als „verrückt“ oder „verwirrt“ abstempeln (vgl. Pörtner 2004:28).
  • Das Kommunikationsquadrat nach Schulz von Thun: Das Kommunikationsquadrat von Schulz von Thun ist auch als „Vier Ohren Modell“ bekannt. Gemäss diesem Modell enthält jede Nachricht vier Botschaften (Sachinhalt, Selbstkundgabe, Beziehungshinweis, Appell). Bei der Sachebene eines Gesprächs geht es um Daten, Fakten und Sachverhalte. Hören wir eine Botschaft auf dem sogenannten „Sachohr“ so überlegen wir uns bloss ob diese Botschaft wahr oder nicht zutreffend ist und ob sie für uns relevant ist (vgl. http://www. 4augen-modell.com/4augen-modell/kommunikationsquadrat). Die Selbstkundgabe wird von Schulz von Thun auch als Selbstoffenbarung beschrieben, denn in jeder Botschaft gibt der Sender dieser Botschaft auch etwas von seiner Persönlichkeit, Einstellung etc. preis. Jede Äusserung enthält auch wenn wir dies nicht beabsichtigen, Hinweise darauf, was in uns vorgeht (vgl. ebd.). So offenbaren wir mit unseren Botschaften auch immer Dinge unserer Persönlichkeit, welche der Empfänger der Botschaft mit dem sogenannten „Selbstoffenbarungsohr“ wahrnehmen kann. Wenn wir mit unserem Gegenüber sprechen, so senden wir mit bestimmten Formulierungen, dem Tonfall sowie der Gestik und Mimik auch immer Hinweise darauf, wie wir zu unserem Gegenüber stehen. Hört der Empfänger der Nachricht mit dem sogenannten „Beziehungsohr“ hin, so gibt ihm dies Aufschluss darüber, was der Sender der Nachricht von ihm hält und wie er zu ihm steht (vgl. ebd.).  Wenn wir mit jemandem sprechen, so möchten wir oftmals auch etwas beim Gegenüber bewirken und auf den Gesprächspartner Einfluss nehmen. Hört das Gegenüber mit dem sogenannten Appellohr hin, so nimmt er diese impliziten Erwartungen, Wünsche, und Ratschläge, Handlungsanweisungen usw. auf und fragt sich, was er nun denken, fühlen und tun soll (vgl. ebd.). 
  • Selbstwirksamkeit nach Bandura: Die Selbstwirksamkeit ist die persönliche Erwartung, selber etwas bewirken zu können. Das setzen von erreichbaren Zielen, das Entwickeln von realisierbaren Strategien um die Ziele zu erreichen und das realistische Bewerten von Rückmeldungen beeinflussen die Entwicklung von Selbstwirksamkeit.  Gelingt es einer Person eine schwierige Situation erfolgreich zu bewältigen und der Erfolg wird den eigenen Fähigkeiten zugeschrieben, wird die Selbstwirksamkeit einer Person gestärkt. Die eigene Einschätzung unserer Selbstwirksamkeit steuert unsere Wahrnehmung, Motivation und die eigene Leistungsbereitschaft (vgl. Zimbardo/Gerrig 2008: 616). 

 

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

  • Lösungsorientiertes Handeln: Das lösungsorientierte Handeln geht auf den lösungsorientierten Ansatz nach Insoo Kim Berg und Steve de Shazar zurück. Beim lösungsorientierten Handeln geht es nicht darum, Erklärungen zu finden, weshalb etwas nicht funktioniert oder ein Problem existiert, sondern es geht vielmehr darum, gezielt nach Situationen zu suchen, wo das Problem nicht aufgetreten ist oder positiv ausging (vgl. Hochuli, Stotz 2009).
  • Die personenzentrierte Haltung nach Rogers: Die personenzentrierte Haltung besteht aus den Komponenten Empathie (einfühlendes Verstehen), Wertschätzung und Kongruenz (vgl. Pörtner 2004:29). Empathie bedeutet, dass ich versuche das Erleben und die Gefühle meines Gegenübers genau und sensibel zu erfassen und mich in sein Erleben einzufühlen. Dabei jedoch nicht ausser Acht lasse, dass ich selbst nicht der Andere bin und Empathie demnach nicht mit Identifikation gleichzusetzen ist. Einfühlendes Verstehen dient nicht dazu, die Handlung des Gegenübers einzuordnen oder zu interpretieren, sondern sich möglichst genau in sein Erleben und in seine Welt hineinzuversetzen. Eine innere Haltung, dass man sein Gegenüber verstehen will, wirkt beim Gegenüber entwicklungsfördernd (vgl. ebd.). Wertschätzung kann auch als ein „nicht wertendes Verhalten“ bezeichnet werden und bedeutet, dass ich mein Gegenüber akzeptiere ohne zu werten. Ich akzeptiere den Menschen als ganze Person, so wie er im Augenblick ist, mit all seinen Schwierigkeiten und Möglichkeiten (vgl. ebd.). Kongruenz kann auch als „Echtheit“ bezeichnet werden und bedeutet, dass ich mein eigenes Erleben von, dem trennen kann, was ich bei meinem Gegenüber wahrnehme. Dies erfordert, dass ich meine Gefühle und Eindrücke zulasse und akzeptiere aber nicht, dass ich sie meinem Gegenüber ungefiltert an den Kopf werfe. Ich muss abschätzen können, wann es im Rahmen meiner Aufgabe liegt, meine Gefühle mitzuteilen, und wann nicht (vgl. ebd.).
  • Autonomie stärken: Eines der zentralen Grundsätze des humanistischen Menschenbildes nach Maslow ist das Stärken der Autonomie. In der Arbeit mit geistig behinderten Menschen ist einer der wichtigsten Bereiche die Entwicklung des Selbstbildes, des Selbstwertgefühls und der Ich-Stärke. Dies wird massgeblich beeinflusst durch das Mass an Autonomie, welches der Mensch erfährt. Denn das Erleben von Autonomie setzt – oft auch stark verzögert – zur Freisetzung von Eigenaktivität und zum Erleben der eigenen Kompetenzen. Wichtig ist, dass dem behinderten Menschen Partizipation und Wahlmöglichkeiten geboten werden und seine Entscheidungen respektiert werden (vgl. http://www.gin.at/menschenbild.html). 

 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Während dem Handeln reflektieren: Die PSA ist in der Lage während der Situation auf die Metaebene zu gehen, die Situation zu reflektieren und eine bewusste Entscheidung über ihr weiteres Handeln zu treffen. 
  • Klient als eigenständige Person wahrnehmen: Die PSA besitzt die Fähigkeit, den Mensch als eigenständige Person mit eigenen Bedürfnissen wahrzunehmen und nicht als „Problem“. Die PSA nimmt den Klient als einen Menschen mit eigenem Willen und Bedürfnissen wahr.
  • Empathie zeigen und die Situation und Lebenswelt der Bewohner versuchen zu verstehen.    
  • Fähigkeit selbstbeherrscht und –kontrolliert zu bleiben
  • Interventionswissen zur Verfügung haben: Die PSA hat Interventionswissen zur Verfügung und kann dieses zum Teil in ihr Handeln integrieren. 
  • Fähigkeit, unvoreingenommen in die Situation zu gehen: Die PSA geht unvoreingenommen in die Situation.

 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • KlientInnen werden in ihrer persönlichen Art respektiert. 
  • Selbstbestimmung der KlientInnen wahren: Im Berufskodex der Sozialen Arbeit ist der Grundsatz der Selbstbestimmung verankert und wird wie folgt umschrieben: „Das Anrecht der Menschen, im Hinblick auf ihr Wohlbefinden, ihre eigene Wahl und Entscheidungen zu treffen, geniesst höchste Achtung, vorausgesetzt dies gefährdet weder sie selbst noch die Rechte und legitimen Interessen Anderer“ (Avenir Social 2010:8).             
  • Jedem Klient mit Wertschätzung und Empathie gegenübertreten.
  • Menschenbild: Die Professionellen glauben an das humanistische Menschenbild, welches das Individuum als grundsätzlich gutes, sich veränderbares und wertvolles Individuum ansieht. So werden alle Menschen gleich behandelt, ihre Andersartigkeit und Individualität wird angenommen und wertgeschätzt mit dem Fokus auf die Stärken jedes Einzelnen. Schwächere Mitglieder werden dadurch geschützt und in ihrer Entwicklung unterstützt. Im Alltag wird angestrebt als heterogene Gemeinschaft zu leben und Ausgrenzung zu vermeiden.
  • Humanistisches Menschenbild: Nach dem humanistischen Menschenbild respektieren PSA die Individualität der einzelnen KlientenInnen und sind überzeugt von deren Lern- und Entwicklungsfähigkeit. Zudem vertreten sie die Ansicht, dass nur der Klient/die selbst weiss, was gut für ihn ist. Ausserdem muss jeder Klient und jede Klientin ernst genommen werden in seiner eigenen Ausdrucksweise, auch wenn sie für die Professionellen der Sozialen Arbeit zunächst unverständlich erscheint. Denn für die betreffende Person macht das eigene Handeln stets einen Sinn, auch wenn dieser fürs Gegenüber verborgen bleibt (vgl. Pörtner 2004:27-28).  
  • Berufskodex der Sozialen Arbeit: Im Berufskodex der Sozialen Arbeit ist der Grundsatz der Selbstbestimmung verankert und wird wie folgt umschrieben: „Das Anrecht der Menschen, im Hinblick auf ihr Wohlbefinden, ihre eigene Wahl und Entscheidungen zu treffen, geniesst höchste Achtung, vorausgesetzt dies gefährdet weder sie selbst noch die Rechte und legitimen Interessen Anderer“ (Avenir Social 2010:8). 
  • Avenir Social Berufskodex der Sozialen Arbeit(2010). Ein Argumentarium für die Praxis der Sozialen Arbeit. Bern
  • Berk, Laura E. (2005). Entwicklungspsychologie.
  • Chapman, Alexander l./Leung, Debbie W./ Walters, Krist N./Niedtfeld Inga. Psychologische Theorien selbstverletzenden Verhaltens In: Schmahl, Christian/ Stiglma r, Christian (Hrsg.) (2009). Selbstverletzendes Verhalten bei stressasoziierten Erkrankungen. Stuttgart: Verlag W.Kohlhammer.Seite:73-95
  • Hochuli Ursula, Stotz Walter (2009/2010) der Lösungsorientierte Ansatz als Handlungsansatz bei der Sozialen Arbeit. Hochschule für Soziale Arbeit FHNW
  • Naudascher, Brigitte (2003). Die Gleichaltrigen als Erzieher. Fakten – Theorien – Konsequenzen zur Peer-Group-Forschung. In: Nörber, Martin (Hrsg.). Peer Education. Bildung und Erziehung von Gleichaltrigen durch Gleichaltrige.
  • Pörtner, Marlies (2004) Ernstnehmen Zutrauen Verstehen, 4.Auflage.Stuttgart: Klett-Cotta 
  • Siebert, Katharina (2007). Selbstverletzung als Krankheit. S mptome, Hintergründe, Therapie. Saarbrücken: VDM Verlag Dr. Müller
  • Stanjek, Karl (Hrsg.) (2009). Altenpflege konkret. Sozialwissenschaften.
  • Zimbardo, Philip/ Gerrig Richard (2008). Ps chologie. 18. Aufl. München: Pearson Studium.
  • http://www. 4augen-modell.com/4augen-modell/kommunikationsquadrat
  • http://www.gin.at/menschenbild.html

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