Ausbildungsgespräch führen: „Feedbackkultur mit der Studierenden aufbauen“

Stichwörter:

  •  Das reflektierende PA Gespräch dient der Reflexion, und Analyse von erlebten Situationen des prof. Handelns und der Planung von Zukünftigen.
  • Das Gespräch ermöglicht Lernen in einem geschützten Rahmen (Vertrauen, Ausbildung, Wertschätzung, Fehlerkultur). Kooperation, Dialog und Kommunikation stehen im Zentrum.
  • PA und Studierende/r haben unterschiedliche Voraussetzungen (Wissen, Erfahrungen, Macht, Stellung in Organisation) und untersch. Rollen.
  • Die Studierenden werden unterstützt, begleitet, angeregt, die eigene authentische Haltung und Ideen zu entwickeln und einzubringen.
  • Das Gespräch ist geplant und wird durch die PA strukturiert. Bei Bedarf wird ein Protokoll verfasst und das Gespräch dokumentiert.
  • Das Gespräch hat zumindest impliziten Bewertungscharakter.
  • PA verfügt über geeignete Methoden um die Selbstreflexion zu fördern und zu fordern.

Die Studierende arbeitet seit Mai 2016 in einer Institution für Menschen mit einer kognitiven und körperlichen Beeinträchtigung. Sie ist im Wohnbereich für Erwachsene auf der Aussenwohngruppe angestellt.

Unsere Stiftung sorgt in ihren Einrichtungen für die Lebensqualität von 200 Klientinnen und Klienten. Wir stellen Raum für Wohnen, Lernen, Arbeit, Freizeit und Kultur zur Verfügung und fördern eine ganzheitliche Entwicklung. Dabei achten wir auf physisches und psychisches Wohlbefinden und die den individuellen Bedürfnissen angepasste Pflege, Therapie, Förderung, Erziehung und Bildung.

Die Aussenwohngruppe bietet Wohnraum für 14 erwachsene KlientInnen mit einer kognitiven- wie auch körperlichen Beeinträchtigung. Durch den aktuellen Betreuungsbedarf arbeitet jeweils morgens und abends eine Betreuungsperson auf der Wohngruppe. Es kommt unregelmässig vor, dass zwei Betreuungspersonen anwesend sind.  In der Nacht ist die Betreuung durch ein Telefonpiket gewährleistet.

Nach einer vierwöchigen Einarbeitungszeit (Dienste mit einer Fachperson und Einführung in die Abläufe), wurden mit der Studierenden ihr aktuelles Wohlbefinden und die weiteren Schritte im Rahmen eines Praxisanleitungsgesprächs besprochen. Ziel des Gesprächs war herauszufinden, ob sich die Studierende zutraut, künftig die Dienste ohne eine zusätzliche Fachperson zu gewährleisten.

Erste Sequenz: Gesprächseinstieg

In den bereits geführten PA-Gesprächen wurde ein Gesprächsablauf erarbeitet und ist ein Arbeitsbündnis hergestellt worden. Die vorgängig notierten Traktanden werden gemeinsam durchgegangen und die Prioritäten besprochen. Da die Einarbeitungszeit der Studierenden abgeschlossen ist, wird beschlossen, den Fokus in diesem Gespräch auf die Auswertung der letzten vier Wochen zu legen.

Reflection in Action

  • Emotion Studierende:
    –       Die Studierende wirkt etwas angespannt, da sie sich bewusst ist, dass sie künftig alleine auf der Wohngruppe arbeiten muss.
    –       Durch die bereits durchgeführten Gespräche weiss die Studierende wie der Gesprächsablauf sein wird. Dies gibt der Studierenden Sicherheit da sie sich daran orientieren kann.
  • Emotion Professioneller:
    –       Der Praxisausbildner ist gespannt, welche Rückmeldungen und persönlichen Einschätzungen sie geben wird.
    –       Er ist etwas nervös, da er dieses Gespräch zum ersten Mal durchführt. Auch da er anschliessend an das Gespräch entscheiden muss, ob die Studierende alleine auf der Wohngruppe eingesetzt werden kann.
  • Kognition Professioneller:
    –       Der Praxisausbildner hat auf der Wohngruppe gleichzeitig noch die Funktion der Wohngruppenleitung. Die Umstellung des Arbeitsplanes und die Aufwendung zusätzlicher Ressourcen wären je nach Rückmeldung der Studierenden mit viel Aufwand verbunden.
    –       Die bisherigen Rückmeldungen durch das Team und der Person welche die Studentin hauptsächlich eingeführt hat, waren durchwegs positiv. Eine gewisse Erwartungshaltung ist deshalb vorhanden.

 

Zweite Sequenz: Rückmeldungen

Die Studierende formuliert ihre Eindrücke der vergangenen Einarbeitungszeit. Sie ist klar und differenziert in ihren Aussagen und kann klar benennen wo sie sich noch unsicher fühlt und was sie in Zukunft noch erarbeiten will. Ein wichtiger Punkt für die Studierende sind gezielte Feedbacks zu ihrem Arbeiten. Einerseits durch den Praxisausbildner und andererseits durch das Team. Da sie erst seit einigen Monaten in der sozialen Arbeit tätig ist, ist es ihr wichtig laufend Rückmeldungen zu ihrem sozialpädagogischen Handeln in spezifischen Situationen von einer Fachperson zu bekommen. Die Studierende wünscht sich aus diesem Grund, dass vermehrt Rückmeldungen an sie gegeben werden sollen.

Die Rückmeldungen zu den Eindrücken der ersten vier Wochen durch den Praxisausbildner sind mehrheitlich positiv. Auch die Rückmeldungen der anderen Teammitglieder zeigen, dass die Studierende den Anforderungen gewachsen zu sein scheint.  Einzelne Punkte welche noch Entwicklungspotenzial aufzeigen wurden thematisiert und für die weitere PA-Arbeit aufgenommen.

Reflection in Action

  • Emotion Studierende:
    –       Wirkt in den meisten Aussagen selbstsicher. Sie hat sich im Vorfeld darauf vorbereitet und viele Gedanken gemacht.
    –       Sie äussert  Unsicherheit, hauptsächlich wenn es darum geht Entscheidungen zu treffen und daran festzuhalten. Verschiedene Hypothesen wären hier möglich: Zweifel an ihrem Selbstwertgefühl? Handlungsunsicherheit wegen Mangel an Erfahrungen? Mühe bei Prozessen der Entscheidungsfindung?
  • Emotion Professioneller:
    –       Der Praxisausbildner ist überrascht über die sehr differenzierten Rückmeldungen und Einschätzung der Studierenden.
    –       Er fühlt sich bestätigt mit den bisherigen Rückmeldungen seiner Teammitglieder, welche mit der Studierenden zusammengearbeitet haben.

Kognition Professioneller:
–       Um die Studierende in keiner Weise zu beeinflussen, lässt der Praxisausbildner die Studierende zuerst ihre Eindrücke und Rückmeldungen formulieren.
–       Der Praxisausbildner ist bedacht positive Feedbacks zu geben um die Studierende in ihrem Handeln zu bestärken. (Selbstwirksamkeitserwartungen nach Bandura)

 

Dritte Sequenz: Entscheidung

Aufgrund der geäusserten Rückmeldungen durch die Studierende und den Praxisausbildner, konnte nun besprochen werden, wie die Studierende künftig auf der Wohngruppe eingesetzt werden wird. Der Praxisausbildner äussert, dass er ihr zutrauen würde die Dienste als einzige Betreuungsperson zu übernehmen. Zusätzlich wurde beschlossen, dass regelmässig eine Fachperson oder explizit der Praxisausbildner mit der Studierenden eingeplant wird um regelmässige Feedbacks zu gewährleisten. Auch soll das Thema Feedbackkultur im Team angesprochen und thematisiert werden. Die Studierende traut sich das selbständige Arbeiten grösstenteils zu. Da sie dies jedoch noch nie gemacht hat ist es für sie schwer einzuschätzen was auf sie zukommen wird. Sie entscheidet sich jedoch es versuchen zu wollen.

Reflection in Action

  • Emotion Studierende:
    –       Unsicherheit, da sie nicht weiss was auf sie zukommen wird.
    –       Freude, dass sie eine positive Rückmeldung bekommen hat und es ihr zugetraut wird diese Verantwortung zu tragen.
  • Emotion Professioneller:
    –       Etwas unsicher, da er die Hauptverantwortung trägt und die Studierende nach kurzer Einarbeitungszeit viel Verantwortung tragen muss. Die Übernahme von Diensten als einzige Fachperson ist jedoch aufgrund des Stellenschlüssels gar nicht anders möglich. Deshalb ist auch Planungsdruck vorhanden.
    –       Stolz, dass die Studierende in kurzer Zeit eine sehr positive Entwicklung gezeigt hat.
  • Kognition Professioneller:
    –       Der Praxisausbilder macht sich Gedanken darüber, ob er ihr noch zusätzliche Hilfeangebote machen soll.  Hält sich aber zurück, da dies immer noch zu einem späteren Zeitpunkt eingebaut werden kann. (Bestärkung der Selbsteinschätzung der Studierenden)

 

Vierte Sequenz: Gesprächsabschluss

Der Praxisausbildner und die Studierende besprechen gemeinsam mit welchen Themen sie sich beim nächsten PA-Gespräch auseinandersetzen wollen. Das Thema Feedback wird als festes Traktandum aufgenommen und neu in jedem Gespräch thematisiert. Es wurde vereinbart welche Aufträge die Studierende und welche der Praxisausbildner bis zum nächsten Termin zu erledigen haben. Zum Abschluss bedankt sich der Praxisausbildner bei der Studierenden für die bisherig geleistete Arbeit und die gute Zusammenarbeit. Die Studierende macht zum Abschluss des Gespräches einen aufgestellten Eindruck.

Reflection in Action

  • Emotion Studierende:
    –       Wirkt beruhigt, dass dieses Gespräch so positiv verlaufen ist.
    –       Lächelt bei der Abschlussbemerkung des Praxisausbildners
  • Emotion Professioneller:
    –       Ist froh, dass dieses Gespräch diesen Verlauf genommen hat.
    –       Ist gespannt auf die ersten Rückmeldungen der Studierenden nach den ersten Diensten alleine.
  • Kognition Professioneller:
    –       Der Praxisausbildner überlegt sich wie er die zeitlichen Ressourcen aufbringen kann um die Studierende anfangs noch gezielter begleiten zu können.

5.1      Erklärungswissen – Warum handeln die Personen in der Situation so?

Wirkung von Feedbacks nach Manfred Gellert und Claus Novak – Welche positiven Effekte können Feedbacks auf die Studierende haben?

Feedbacks dienen in erster Linie dazu, seinem Gegenüber mitzuteilen, wie sein Verhalten erlebt, verstanden und wahrgenommen wird. Es gibt den Gesprächspartnern die Möglichkeit, sich  über das eigene Verhalten und den Umgang miteinander auf einer Metakommunikation auszutauschen.

Feedbacks sollen jedoch nicht primär als Werkzeug zur Beseitigung von Störungen dienen. Anerkennung persönlicher und kollektiver Leistungen und Erfolge sind ebenso Bestandteile einer guten Feedbackkultur.

Positive Wirkungen:

  •  Fördert produktives Arbeitsverhalten
  • Es motiviert und steigert die Bereitschaft, auch kritische Feedbacks entgegenzunehmen und Mängel zu beheben.
  • Feedbacks unterstützen ein gegenseitiges Verstehen und klären die gegenseitige Beziehung
  • Fremdwahrnehmungen und Selbstwahrnehmung können systematisch verglichen werden.

Vgl. Gellert, Novak 2010, S.55- 62

Damit die Studierende ihr sozialpädagogisches Handeln fortlaufend überprüfen kann, sind regelmässige Feedbacks wichtig. Damit sie ihre Erfahrungen gezielter bewerten kann, ist sie auf die Wahrnehmung meinerseits sowie auch von anderen Teammitgliedern angewiesen (Fremdwahrnehmung). Dadurch kann sie ihre Selbstwahrnehmung mit den Rückmeldungen von anderen Fachpersonen abgleichen und ihr Handeln, falls nötig, anpassen. Ein weiterer positiver Effekt, welche durch eine Feedbackkultur geschaffen wird, ist das gegenseitige Verständnis. Durch den gezielten Austausch kann zusätzlich die gegenseitige Beziehung geklärt werden.

 

Was beeinflusst unsere Entscheidungen? Welche Faktoren können für eine Entscheidungsfindung unterstützt werden?

Entscheidungen zu treffen ist eine komplexe und teilweise schwierige Angelegenheit. Gerade wenn man in einem neuen Berufsfeld zu arbeiten beginnt, fühlt man sich häufig unsicher und hat Mühe eine Entscheidung zu treffen. Im folgenden Abschnitt möchte ich erläutern, was unsere Entscheidungen beeinflusst und welche Faktoren dabei von anderen Menschen (in diesem Fall PA und Team) unterstützt werden können.

Nutzen:

In der heutigen Psychologie geht man davon aus, dass der Prozess des Entscheidens aus drei Schritten besteht:

  • Alternativen benennen
  • Informationen sammeln
  • Wahlmöglichkeiten bewerten

Dieser Prozess führt schlussendlich zu einer Entscheidung oder Handlungsabsicht. Der zu erwartende Nutzen spielt hier eine zentrale Rolle. Laut Herbert Simon ist es jedoch nicht möglich einen maximalen Nutzen zu erreichen, da niemals alle Alternativen und Konsequenzen abschätzbar sind. Wichtig ist vielmehr, dass die gestellten Ansprüche an eine Entscheidung erfüllt werden.

Möglichkeiten:

Um eine genaue Betrachtungsweise der Möglichkeiten zu gewährleisten, wird von der analytischen Strategie gesprochen. Das analytische Betrachten von Alternativen und Elementne einer Option ermöglicht es einem, eine Vielfallt an Möglichkeiten genau zu betrachten und zu bewerten. Dies Strategie kann beispielsweise bei einem Kauf eines Autos angewendet werden (z.B. Farbe, Benzinverbrauch, Versicherungskosten etc.). 

Erfahrung:

Bei der Nicht – analytischen Strategie ist der Begriff der Erfahrung elementar. Vor allem bei alltäglichen Entscheidungen spielt der Faktor Erfahrung eine wichtige Rolle. Selten wird in diesen Fällen von der Gewohnheit abgewichen. Erst bei der negativen Folge einer Routineentscheidung wird davon abgewichen.

Intuition:

Mögliche Definition vom Begriff der Intuition: Ein Zusammenspiel sämtlicher Erfahrungen und Erinnerungen welche im Laufe des gesamten Lebens gesammelt werden.

Der Faktor Intuition ist mit seinen eigenen Gefühlen eng verbunden. In der Neurowissenschaft konnte nachgewiesen werden, dass Gefühle und Empfindungen unsere Fähigkeiten der Entscheidungsfindung massgeblich beeinflussen.

In der aktuellen Entscheidungsforschung wird strittig diskutiert, ob der Aspekt des Freien Willens einen Einfluss hat. Für meine Bearbeitung möchte ich jedoch nicht vertiefter darauf eingehen.

 

Zusammengefasst spielen für mich folgende Faktoren eine wichtige Rolle bei einer Entscheidung:

  • Welcher Nutzen hat meine Entscheidung?
  • Welche Erfahrungen in ähnlichen Situationen habe ich bereits gemacht und für mich bewertet?
  • Intuitives Entscheiden verbunden mit meinen subjektiven Gefühlen und Empfindungen. 

 

Für mein beschriebenes Fallbeispiel ist sicherlich der Faktor Erfahrung am  ausschlaggebendsten. Die Studierende ist noch nicht lange in diesem Berufsfeld tätig und konnte bisher eine begrenzte Anzahl an Erfahrungen sammeln. Ich denke es wichtig, dass die Studierende die Möglichkeit hat, gemachte Erfahrungen zu reflektieren, was sicherlich auch mit dem PA gemacht werden kann.

Da laut Literatur immer auch ein persönlicher Nutzen hinter einer Entscheidung steht ist es wichtig auch diesen Aspekt mit der Studierenden kritisch zu thematisieren. Gibt es Entscheidungen welche getroffen werden um einen bestimmten Nutzen zu erreichen (z.B. weniger Aufwand in einer Situation, jedoch für den Klienten nicht förderlich)? Missbrauche ich meine Machtposition gegenüber dem Klientel um durch eine Entscheidung einen Persönlichen Nutzen zu haben?

Vgl. https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/entscheidungen_die_wahl_zwischen_alternativen/index.html, 05.2018

 

 

5.2      Interventionswissen – Wie kann ich als professionelle Fachperson handeln?

Regeln für Wirksame Feedbacks nach Manfred Gellert und Claus Novak. Auf welche Art soll und kann ein Feedback an die Studierende gegeben werden?

Regeln für ein wirksames Feedback:

  • Konkrete Einzelheiten benennen
  • Beobachtungen durch andere nachprüfen
  • Auf unterschwellige Botschaften verzichten
  • Zeitnah Feedbacks geben
  • Keine moralischen Bewertungen verwenden
  • Kommunikation sollte offen und ehrlich sein (Kongruenz)
  • Fehler zugeben können

Geben von Kritik (3K):

  • Kurz
  • Konkret
  • Konstruktiv

Annehmen von Kritik (3Z):

  • Zuhören
  • Zuhören
  • Zuhören

Vgl. Gellert, Novak 2010, S.55- 62

Das regelmässige und gezielte Geben von Feedbacks nach den genannten Regeln, gibt der Studierenden die Möglichkeit, einzelne Situationen laufend anhand von Meinungen und Wahrnehmungen von anderen Personen zu bewerten und für sich einzuordnen.  Zudem lernt die Studierende ihre persönlichen Wahrnehmungen sachlich und konstruktiv zu äussern.

Methode für ein gezieltes Feedback:

Das Fünf -Finger Feedback ist eine Methode um einem Gegenüber gezielt eine konstruktive Rückmeldung über eine bestimmte Situation oder über ein Verhalten bzw. Handeln zu geben.  Es besteht die Möglichkeit eines ausführlichen Feedbacks (Alle Finger) oder nur einzelne Punkte seinem Gegenüber zurückzumelden. Ich bin jedoch der Meinung, dass bei jedem Feedback positive wie auch negative Punkte platz finden sollten.

Fünf – Finger Feedback:

Finger und Verbindungen:

Daumen Lob -“Besonders toll fand ich heute…” “Hier bist du gut auf den Klienten eingegangen …”

Zeigefinger Hinweis – “Ich möchte darauf hinweisen…” “Darauf solltest du gut achten….”
Mittelfinger Kritik (konstruktiv) – “Dieses Verhalten, Handlung fand ich so nicht angemessen weil…” “Ich hätte in dieser Situation folgendermassen gehandelt weil …..”
Ringfinger Verbindung – “Für die Zukunft nehme ich mit…” “Ich werde mich in der Praxis an … erinnern.” und Finger des Gefühls – “Mein Gefühl war…”
Kleiner Finger Mangel – ” Zu kurz kam heute…“ „Dafür kannst du dir beim nächsten Mal mehr Zeit lassen ….”

Vgl. http://methodenundmehr.de/5-finger-feedback, 04.2018

Bei den bisher gemachten Anwendungen mit der 5 Finger Methode konnte die Studierende anhand dieser Methode gut Feedbacks geben und auch annehmen. Die Rückmeldung der Studierenden bezüglich dieser Methode waren sehr positiv. Diese Methode wurde durch die Studierende im Team vorgestellt. Das Fünf Finger Feedback wird nun im ganzen Team vermehrt eingesetzt. Die Studierende erzählte mir dies und schien sichtlich stolz darauf zu sein etwas fürs ganze Team bewirkt zu haben.

 

Selbstkonzept nach Carl. R.Rogers – Wie kann die Studierende in der Bildung ihres Selbstkonzeptes unterstützt werden?

Im Grundgedanken der Humanistischen Psychologie wird davon ausgegangen, dass subjektive Wahrnehmungen und Interpretationen jedes einzelnen Menschen durch seine Umwelt beeinflusst werden. Das eigene Handeln wird durch Reaktionen oder auch Rückmeldungen dieses Umfeldes angepasst.

Im Zuge dieses Menschenbildes spricht man auch von der Aktualisierungstendenz. Das heisst, dass ein Mensch bestrebt ist sich zu permanent zu entfalten und seine Fähigkeiten zu erweitern. Eine Aktualisierung findet jedoch immer anhand einer gemachten Bewertung statt. Jeder Mensch bewertet sein Umfeld auf Grund von gemachten Erfahrungen und Erlebnissen. Im beschriebenen Fall, heisst das für mich, dass  Feedbacks für die Studierende hilfreich sein können um eine Bewertung vorzunehmen.

Selbstkonzept: Wenn es bei der beschriebenen Aktualisierungstendenz um Wahrnehmungen und Erfahrungen geht, welche das eigene Selbst betreffen, spricht C.Rogers von der Selbstaktualisierung. Das Selbstkonzept eines Menschen wird anhand dieser Selbstaktualisierung geformt und beeinflusst. Das Selbstkonzept stellt somit die durch Erfahrungen zu Stande gekommene Gesamtheit aller Wahrnehmungen, Meinungen, Urteilsbildungen und Bewertungen des Individuums über sich selbst und seine Umwelt dar.

Vgl. Hobmair 2008, S. 427 – 430

Durch die für die Studierende aktuell noch fehlenden Rückmeldungen und Bewertungen meinerseits, ist es ihr nur schwer möglich, Bewertungen vorzunehmen und in ihrem Selbstkonzept zu integrieren. Dies könnte bei ihr die geäusserte Unsicherheit in spezifischen Situationen verstärken. Ein Zweifel an ihren Kompetenzen oder ihrer Selbstwirksamkeit könnte damit zusammenhängen. Aus diesem Grund hat der PA der SpiA vorgeschlagen, gezielt mit einer Feedback Methode zu arbeiten.

 

5.3      Erfahrungswissen – Woran erinnere ich mich, was kenne ich aus ähnlichen Situationen?

  • Die Einschätzung ob eine Studierende künftig die Verantwortung tragen kann um einen Früh- oder Spätdienst selbständig zu übernehmen war für mich schwierig, da ich die Rolle als Gruppenleitung erst seit ca. 5 Monaten übernommen hatte. Es war meine erste solche Entscheidung welche ich treffen musste. Innerhalb der Institution gibt es keine vergleichbare Wohngruppen und dadurch auch keine beschriebene Handhabung.
  • Die Rücksprache mit meinen Teammitgliedern hat mir geholfen eine Entscheidung zu treffen.
  • Vor mehreren Jahren war ich genau in derselben Situation wie die Studierende. Ich habe meine Ausbildung auch auf dieser Wohngruppe gemacht und musste bereits früh eine gewisse Verantwortung übernehmen. Dies hat mir geholfen, mich in die Situation von der Studierenden hineinzuversetzen. Zusätzlich konnte ich ihr von meinen Erfahrungen und Ängsten berichten.
  • Rückmeldungen von allen Teammitgliedern haben mir geholfen mein Handeln einzuordnen und Situationen gezielt zu reflektieren.
  • Ich habe während meiner Ausbildung gelernt, dass ich mir bewusst und gezielt Rückmeldungen zu meinem Handeln einholen kann.

 

5.4      Organisations- und Kontextwissen – Welche Rahmenbedingungen beeinflussen mein Handeln?

  • Alle zwei Wochen findet ein Praxisausbildungsgespräch  von jeweils zwei Stunden statt (festgelegt im Ausbildungskonzept der Institution).
  • Aufgrund des vorgegebenen Stellenschlüssels ist das Arbeiten als einzige Betreuungsperson (Fachperson, i.Ausbildung) vorgegeben. Das selbständige Arbeiten nach der Einarbeitungszeit ist somit vorgegeben. Eine kurzfristige Verlängerung der Einarbeitungszeit wäre möglich. Wenn dies danach von der Studierenden nicht übernommen werden kann ist ein weiteres Arbeiten auf der beschriebenen Wohngruppe nicht möglich.
  • Der Austausch mit anderen Teammitgliedern ist nur vereinzelt möglich. Geplanter Austausch findet alle zwei Wochen in der Teamsitzung statt.

 

5.5      Fähigkeiten – Was muss ich als professionelle Fachperson können?

  • Vertrauen in die Fähigkeiten und Rückmeldungen meiner Teammitglieder
  • Empathischer und Wertschätzender Umgang mit der Studierenden -> Reflektieren von spezifischen und allenfalls herausfordernden Situationen.
  • Gezielte Unterstützung anbieten falls nötig und begründet.
  • Kontrollinstrumente entwickeln und gezielt anwenden
  • Beziehungen bewusst gestalten
  • Ressourcen der einzelnen Teammitglieder erkennen und einsetzen.

 

5.6      Organisationale, infrastrukturelle, zeitliche, materielle Voraussetzungen – Womit kann ich handeln?

  • PA- Gespräche werden durch die Gruppenleitung (in diesem Fall auch PA) fix alle zwei Wochen  im Dienstplan berücksichtigt.
  • Die zwei Stunden welche zur Verfügung stehen werden nur für die PA Arbeit eingesetzt.
  • Die Gespräche werden als Arbeitszeit aufgeschrieben
  • Die zu erfüllenden Lernziele werden durch die Studierende mit Hilfe des PA erarbeitet.
  • Die PA-Gespräche finden in einem Raum statt in welchem keine Ablenkung vorhanden ist (Telefon, andere Mitarbeiterinnen, etc.)
  • Qualifikation des Praxisausbildners -> Basiskurs “Praxisausbildung” und CAS FHNW
  • Falls möglich werden Dienste so geplant, dass sowohl die Studierende wie auch der Praxisausbildner zusammen arbeiten.
  • Bei der Arbeit mit anderen Teammitgliedern wird am Ende des Dienstes ein Feedback eingeholt.

 

5.7      Wertewissen – Woraufhin richte ich mein Handeln aus? Welches sind die zentralen Werte in dieser Situation, die ich als handelnde Fachperson berücksichtigen will?

  • Eigenverantwortung fördern
  • Reflexionsfähigkeiten ausbauen -> Spezifische Situationen reflektieren und Handlungen daraus anpassen
  • Selbstvertrauen stärken -> Der Studierenden zeigen, dass man ihr die Verantwortung zutraut
  • Eigene Haltungen entwickeln -> Auseinandersetzung mit dem Thema Menschenbild und Haltung als wiederkehrendes Thema in den PA Gesprächen
  • Gezielte Feedbacks geben -> Feedbackkultur fordern und fördern
  • Kenntnisse und persönliche Auseinandersetzung mit der eigenen Berufsethik und Regeln des Berufskodex (fortlaufendes Vorleben dieser Prinzipien, Vermittlung und Integration in den Praxisalltag der Studierenden)
  • Ehrlichkeit und Transparen
  • Erwartungen im Spannungsfeld HS, Praxisausbildungsplatz, PA, Studi sind geklärt
  • Die Beziehung zwischen der Studierenden und dem Praxisausbildner ist geprägt durch Vertrauen und Wertschätzung.
  • Das Ausbildungskonzept wird eingehalten.
  • Ein Arbeitsbündnis ist hergestellt bzw. bleibt bestehen, ist gefestigt. Gegenseitige Erwartungen und Ziele sind erklärt.
  • Die Reflexionsfähigkeit der Studierenden wird gefördert. Gezielte Gefässe wurden erarbeitet.
  • Der Studierenden werden bewusst Lernfelder angeboten und im PA Gespräch reflektiert.
  • Die Studierende wird an ihren Veränderungsbedarf herangeführt und es wird versucht Entwicklungsschritte anzuregen.
  • PA nimmt ihre Funktion als Überprüfungsinstanz verschiedenster Prozesse wahr.
  • Die Studierende kann den Arbeitsalltag kritisch hinterfragen und konstruktive wertschätzende Kritik ausüben.
  • Die Bedingungen für die Weiterentwicklung der beruflichen Identität (Habitus) sind gegeben.
  • Beidseitige, ausgeglichene Kommunikation findet statt.
  • Es findet eine regelmässige Theorie/Praxis Relationierung statt.
  • Auszubildende integrieren Lernanregungen in ihr professionelles Handeln
  • Verantwortlichkeiten der Beteiligten sind geklärt
  • PA nimmt ihre Verantwortung als GestalterIn der Lernprozesse wahr
  • Prinzipien der Personen-Zentriertheit – Gesprächsführung sind realisiert
  • Kooperationsbereitschaft zwischen Studi und PA bleibt bestehen (wertschätzend)

Folgende Qualitätsstandards finde ich für den beschriebenen Fall wichtig und möchte ich aus diesem Grund reflektieren:

Die Reflexionsfähigkeit der Studierenden wird gefördert. Gezielte Gefässe wurden erarbeitet → Wie ich finde in der geschilderten Situation ein wichtiger Qualitätsstandart. Die Reflexionsfähigkeit soll durch die gezielten Feedbacks durch den PA wie auch durch das Team gefördert werden. Das Gefäss des PA- Gespräches wurde gezielt genutzt und neue Gefässe bestimmt.

  • Um die Reflexionsfähigkeit der Studierenden zu fördern und sie in ihrem Selbst zu stärken, wird beschlossen zukünftig ein Teil des PA-Gesprächs dieser Thematik gewidmet. Die Studierende wie auch der Praxisausbildern bringen jeweils eine ausgewählte erlebte Situation aus dem Praxisalltag mit zum Gespräch. Diese Situationen werden gemeinsam analysiert. Ein Feedback anhand einer ausgewählten Methode (z.B. Fünf Finger Feedback) wird zuerst an die andere Person gegeben. Danach wird die Situation gemeinsam analysiert.

Der Studierenden werden bewusst Lernfelder angeboten und im PA Gespräch reflektiert → Neue oder für die Studierende herausfordernde Lernfelder zu bearbeiten oder sich darin zu versuchen finde ich für die Entwicklung wichtig. Durch neue Erfahrungen und Handlungen mit gezielter Rückmeldung und möglicherweise punktueller Begleitung kann die Studierende ihre Kompetenzen laufend erweitern und in ihren Handlungen und Meinungen Sicherheit gewinnen.

  • Gefäss geschaffen in welchem die Studierende die Möglichkeit hat Rückmeldungen zu ihrem Handeln zu bekommen.

Die Studierende wird an ihren Veränderungsbedarf herangeführt und es wird versucht Entwicklungsschritte anzuregen → Eine Aufgabe des Praxisausbilders ist einerseits die Studierende zu stärken und zu fördern. Damit dies gelingt finde ich es unabdingbar, dass möglicher Veränderungsbedarf konstruktiv aufgezeigt wird.

  • Durch das Feedback an die Studierende können gezielt Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden.  
  • Aus diesem Grund wurde beschlossen, dass die Studierende einmal im Monat einen Theorieinput mit einem Praxistransfer im Rahmen einer Teamsitzung macht.

Folgende Handlungsalternativen lassen sich daraus ableiten:

  • Die Abläufe könnten nochmals erläutert werden. Durch den  PA (Gleichzeitig Wohngruppenleiter)  könnte das Angebot gemacht werden, dass die Studierende bei  Situationen in welchen sie sich unsicher ist anrufen und um Hilfe fragen könnte. Es müsste jedoch genau definiert werden welche Situationen damit gemeint sind.
  • Um vermehrt Feedbacks vom PA zu gewährleisten, könnte in der Arbeitsplanung darauf geachtet werden, dass die Studierende und ihr PA zusammen im Dienst arbeiten. Nach diesen Paralleldiensten würde jeweils ein ausführliches Feedback stattfinden.
  • Das Thema Feedback könnte durch die Studierende dem ganzen Team erklärt und  zusammen mit dem PA implementiert werden. Dadurch würde die Studierende eine Vielzahl an Rückmeldungen bekommen, was die Bewertung ihres Selbstkonzeptes positiv beeinflussen könnte.
  • Durch das Einbringen einer neuen Feedbackkultur ins Team könnte die Sensibilität gegenüber der Thematik Feedback gefördert und andererseits die Persönlichkeit der Studierenden gestärkt werden, indem sie im Team ihre Haltung  durch eine Neuerung vertreten kann.
  • Die Übernahme einer verantwortungsvollen Aufgabe zusammen mit einem anderen Teammitglied (Bezugspersonenarbeit) könnte der Studierenden einen zusätzlichen Austausch zu einer bestimmten Thematik ermöglichen.
  • Eine regelmässige und gezielte Situationsanalyse von der Studierenden und dem Praxisausbildner anhand einer Feedbackmethode könnte der Studierenden die Sicherheit geben, sich mit neuen Herausforderungen im Alltag auseinander zusetzen.
  • Der regelmässige Theorie/Praxistransfer könnte dazu führen, dass die Studierende sich damit gezielter auseinandersetzt und die Erfahrung macht, dass alle Teammitglieder von ihrem Wissen profitieren können.
  • Gellert, Manfred / Nowak, Claus (2010): Ein Praxisbuch für die Arbeit in und mit Teams, Teamarbeit-Teamentwicklung-Teamberatung. 4. Erweiterte Auflage. Verlag Christa Limmer, Meezen.
  • Hobmair, Hermann et al. (2008): Psychologie. 4 Auflage, Bildungsverlag EINS. Troisdorf.
  • Fünf Finger Feedback (2018): http://methodenundmehr.de/5-finger-Feedback
  • Entscheidungen (2018): https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/psychologie/entscheidungen_die_wahl_zwischen_alternativen/index.html

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