Fachwissen

Zusätzliches Fachwissen zu den einzelnen Arbeitsfeldern findest du in den Rubriken «Medienschau», «Dossiers» und «Fokusartikel» von sozialinfo.ch

Wahlpflichtmodul «Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit als Brücke zwischen Theorie und Praxis» im CAS Praxisausbildungin der Sozialen Arbeit der FHNW

Angebot für Nichtmitglieder

Die Praxisausbildung ist konstitutives Element des Bachelor-Studiums in Sozialer Arbeit und ist konzeptionell, strukturell und organisatorisch in die Ausbildung integriert. Die Hochschule für Soziale Arbeit (HSA) der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) bietet einen Basiskurs (Attest) sowie einen Zertifikatslehrgang (CAS) für Praxisausbildende in der Sozialen Arbeit an.

Inhalt: Wie geben Sie Ihr Handlungswissen als Fachkraft weiter? – Sie erzählen einander Geschichten von erlebten Situationen. Wie reflektieren Sie Ihre Praxis? – Sie beschreiben zuerst das Erlebte. Darin eingebunden sind all Ihre Erfahrungen, Ihr Wissen, Ihre Emotionen. Auf der Basis dieser Beschreibungen ist Reflexion und fachlicher Diskurs erst möglich. In der Praxisausbildung haben Studierende als Novizen die Aufgabe, Wissen zu internalisieren – Praxisausbildende als ausgewiesene Experten stehen der Herausforderung gegenüber, ihr implizites Wissen wieder zu externalisieren und in Sprache zu fassen, um ihr Handeln den Studierenden erklären zu können. Diese Koppelung von Theorie und Praxis kann auf der Ebene der Situation vollzogen werden. Denn eine Situation beinhaltet soziale Praxis, die situiert ist und in der situativ einerseits das Erlebte gedeutet und andererseits das Handeln gestaltet wird. Eine situationsbezogene Sichtweise im Kontext der Ausbildung zur Sozialen Arbeit wird beispielsweise von Heiner (2007) oder von Von Spiegel (2004) beschrieben. Beide gehen davon aus, dass durch die professionelle und bildungsbezogene Reflexion der erfolgreichen Gestaltung von bestimmten Situationen, die in der Praxis häufig anzutreffen sind (Schlüsselsituationen) eine Art Modellbildung erfolgen kann.

In diesem Aufbaukurs lernen Sie zunächst die Konzepte, die der Arbeit mit Schlüsselsituationen zu Grunde liegen kennen und bearbeiten danach eine eigene Situation nach dem Modell, wie es im Modul Wissens- und Kompetenzintegration eingesetzt wird. Diese Arbeit erfolgt systematisch in acht Schritten, die zu einem grösseren Bewusstsein darüberführt, wie Theorie das praktische Handeln speist, wie professionelles Handeln eigentlich begründbar ist und an welchen Qualitätsstandards sich die eigene Arbeit bezogen auf konkrete Situationen des Alltags messen lassen soll. Abschliessend geht es darum, Instrumente zu entwickeln und Ideen darüber zu generieren, wie die Schlüsselsituationen didaktisch sinnvoll für die Arbeit mit den Studierenden in der Praxis eingesetzt werden können. Dieses Modell zur professionellen Reflexion hat das Potenzial nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Weiterbildung, in der professionellen Praxis und in (virtuellen) Communities of Practice zur Wissensintegration genutzt werden zu können. Die Koppelung von Theorie und Praxis hat damit in der Arbeit mit Schlüsselsituationen den Fokus auf Aus-, Weiterbildung und Professionalisierung der Sozialen Arbeit und dient in diesem Sinne der Integration von Wissen und Praxis.

Praxis-Tagungen FHNW

Angebot für Nichtmitglieder

Workshop 3

Darf ich um ein Tänzchen bitten oder wie kann das Reflexionsmodell «Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit» im Rahmen der Kompetenzerwerbsplanung zum Thema «Alter» genutzt werden?
Prof. Johanna Kohn, Institut Integration und Partizipation, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, und Dr. Eva Tov

Wie können wir es schaffen, unsere alltägliche Praxis der Sozialen Arbeit so zu reflektieren und aufzuarbeiten, dass die Fälle, mit denen wir arbeiten, noch lehrreicher, interessanter und inspirierender werden?
Wie können wir als Team in einen echten professionellen Dialog kommen, sodass wir an einem Strick ziehen?
Diesen Fragen möchte der Workshop am Beispiel des noch neuen Feldes «Soziale Arbeit und Alter» nachgehen. Im Zentrum steht die Frage, wie professionelles Handeln möglich ist. Zum Beispiel mit einem gemeinsamen Tänzchen von Praxisausbildenden und Studierenden! Beide wollen tanzen, beide haben unterschiedliche Voraussetzungen und besondere, individuelle Fähigkeiten. Die Praxisausbildenden haben jede Menge Erfahrungswissen und organisationales Wissen, die Studierenden dagegen sind nahe an den Theorien und Ansätzen der Hochschule.

Wie fügt sich das im Idealfall zusammen und wie können sie voneinander profitieren und lernen? Möglich wird dies durch ein «sich aufeinander Einlassen», durch Interesse am gemeinsamen Lernen, durch Diskurs und Austausch, bezüglich der Möglichkeiten, wie Wissen aus der Praxis mit dem Erlernten aus der Hochschule verknüpft werden kann. Die Schlüsselsituationen sind ein Instrument, das dazu dient, uns und unsere Arbeit weiterzubringen. Das Reflexionsmodell ermöglicht eine fundierte Auseinandersetzung mit Situationen, die typisch für unsere Alltagspraxis sind. Mit Schlüsselsituationen können wir uns optimieren und professionalisieren, durch sie können wir uns verständigen und uns austauschen – zu ihrer Musik können wir tanzen! Im Workshop bildet ein bewegendes Thema, eine selbst erlebte Situation aus dem Arbeitsfeld «Alter» den Ausgangspunkt, um neues Wissen, Massstäbe für Qualität und Handlungsalternativen für diese Situation
zu erschliessen. In einem weiteren Schritt wollen wir gemeinsam prüfen, wie mit Elementen aus dem kennengelernten Verfahren in der Praxisausbildung gearbeitet werden kann. Die Verknüpfung mit der Kompetenzerwerbsplanung wird dabei einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Lust auf einen Tanz? Dann schauen Sie rein! Wir sind da, geben Feedback, diskutieren und probieren auch gerne neue Schritte aus. Der Workshop findet ganztägig statt.

Workshop 4

Was Sinn ergibt, muss nicht zwingend sinnvoll sein – Wie verhalten sich Strukturen der Organisation als Wirkmechanismus zur Haltung von Mitarbeitenden und deren professionellem Handeln und umgekehrt?

Beate Knepper, dipl. Päd., Studienzentrum Soziale Arbeit, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW, Gaby Merten, Supervisorin BSO, und Yann Steger, BA, Mitglieder der Community of Practice «Intervisionsmodell

IMS und Supervision» des Netzwerks Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit Professionelle der Sozialen Arbeit handeln in organisationalen Kontexten. Diese bestimmen über Aufbau-und Ablaufstrukturen, über Vorstellungen von Teamarbeit, Kompetenzverteilung, Entscheidungswege und Entscheidungsmacht und darüber, welche Wirkungen bei der Klientel und bei involvierten Dritten erzielt werden sollen. Organisationale Strukturen geben vor, an welchen Orientierungsgrössen Effizienz und Effektivität der geleisteten Arbeit gemessen werden. Sie beeinflussen das Erleben von Sinnhaftigkeit unserer professionellen Dienstleistungen.

Das Intervisionsmodell nach dem Ansatz Schlüsselsituationen der Sozialen Arbeit (IMS) nimmt mit den Perspektiven auf die Organisation und die Profession das Zusammenspiel von Haltung und professionellem Handeln in organisationalen Strukturen explizit auf. Dabei richtet es den Fokus auf Qualität und Haltung, die das professionelle Handeln bestimmen und beleuchtet Spannungsfelder wie auch Freiräume innerhalb von Organisationen. Professionelle der Sozialen Arbeit verpflichten sich, für die Qualität ihres Handelns einzustehen (vgl. AvenirSocial 2010). Mit dem IMS erhalten sie ein Instrument, welches auf reflexives Lernen ausgerichtet ist. Es ermöglicht das Erkennen der eigenen Haltung zu Setzungen der Organisation und allenfalls auch, wie die Organisationskultur auf die eigene Haltung einwirkt und umgekehrt. Damit leisten Professionelle einen Beitrag an die Weiterentwicklung der Profession Soziale Arbeit. Sie lernen zu erkennen, wie sinnvoll das eigene Handeln in Bezug auf Qualität und Wirkung ist. Das IMS fokussiert auf das Aushandeln der Bedeutung von Werten und Wissen, die dem professionellen Handeln in konkreten Situationen zugrunde liegen und leistet einen Beitrag zur Weiterentwicklung des professionellen Habitus. Der Workshop beinhaltet Theorieinputs zum soziologischen Verständnis des Systems Organisation, Grundlagen des IMS im Wechsel mit praktischen Durchführungen in Kleingruppen anhand von mitgebrachten, selbst erlebten konkreten Situationen. Er richtet sich an Fachpersonen aus der Praxis, Praxisausbildende und Ausbildungsverantwortliche, die einen bewussten Zugang zum Verhältnis Organisation und professionelles Handeln erlangen und / oder vermitteln möchten. Sie erhalten die Gelegenheit, das IMS basierend auf dem Ansatz Schlüsselsituationen in der Sozialen Arbeit kennenzulernen und praktisch anzuwenden. Der Workshop findet ganztägig statt.

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